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Adam Ondra über seine Trainingsphilosophie: „Ich gehe nicht trainieren, ich gehe klettern“


Worte machen oft den Unterschied, und Adam Ondra weiß das. Der tschechische Meister, Gewinner dieses Jahr bei Rock Master und Protagonist der letzten Folge der Serie Strange Heroes, verrät uns seine Trainingsgeheimnisse, und am Ende ist es immer wichtig, Spaß zu haben.

Für mich ist das Training seit ich denken kann sehr wichtig und ich habe mich immer bis in das kleinste Detail bemüht, noch besser zu werden. Aber das wichtigste bei diesem Sport ist für mich stets die Leidenschaft. Das einzige Ziel des Trainings sollte nie nur das Verbessern der eigenen Technik und Ausdauer sein. Das wichtigste beim  Trainings sollte das Training selbst sein, so wird es unterhaltsam.

Starten wir mit dem Wort „Training“. Für die meisten klingt „Training“ einfach nach etwas Anstrengendem das zu tun ist. Etwas für das man viel Zeit investieren must und mit Schmerz in Verbindung steht. Kurz gesagt, eine Aktivität wo sicher nicht der Spaß im Vordergrund steht, sondern etwas wofür man hart arbeiten muss um einen positiven Effekt zu erzielen. Normalerweise hat jemand sehr viel Spaß, wenn er viel klettert. Warum sollte man sonst klettern gehen? Daher ist die beste Art zu trainieren das Klettern selbst, so müsste das Training auch unterhaltsam sein. Seit ich klein war sagte ich immer statt: „Ich gehe zum Training“, „ich gehe zum Klettern“. Das bedeutet auch, dass ich Spaß haben werde. „Unterhaltsam angehen“ heißt nicht, dass du nicht gut und hart trainierst. Im Gegenteil, vielleicht trainierst du sogar härter, aber es hilft dir, das Training zu mögen und noch wichtiger, du wirst auch leichter neue Dinge lernen. Auf diese Art wirst du ein besserer Kletterer, nicht nur ein stärker.

Mein eigenes Training, in Zusammenarbeit mit Patxi Usobiaga beinhaltet 4/5 Stunden Training pro Tag, 6 Tage in der Woche. Zirka 70% des Trainings besteht aus Klettern, der Rest besteht aus Übungen, Campusboard und Ausgleichsübungen. Stretching ist in dieser Zeit nicht inbegriffen, ist aber trotzdem sehr wichtig. Normalerweise starte ich mein Training am Morgen mit Campusboard, danach folgt eine Bouldereinheit und Kraftausdauertraining(mit dem Seil oder Circuits an der Boulderwand) am Nachmittag. Alle Übungen sind sehr wichtig und keine Trainingseinheit ist gleich wie die andere. Ich folge einem Trainingsplan, doch gleichzeitig improvisiere ich. Bouldern hat am meisten Freiheiten, ich suche dabei die verrücktesten Bewegungsfolgen und neue Moves, oft auch mit einem Kletterpartner. Beim Kraftausdauertraining habe ich eine bestimmte Anzahl an Routen und einzuhaltende Pausen, aber während des Trainings wähle ich dann den Zirkel oder die Route frei sobald ich einsteige. So habe ich immer Spaß.

Aber wenn ich ehrlich bin, passiert es mir trotz dieser „Spaßeinstellung“, dass ich nicht bei jedem Training 100% dabei bin, manchmal fühle ich mich müde. Dies ist ein Spiel mit mir selbst, ich versuche mich zu überzeugen der Müdigkeit zu trotzen und wenn ich dann mit dem Klettern starte habe ich Spaß und es freut mich. So wechselt Schmerz zu Freude. Und dies sollte jeder gute Kletterer im Stande sein zu tun. Dafür braucht es viel Willenskraft, aber es ist möglich. Leiden während des Trainings ist möglich, doch den Schmerz zu vergessen und mit der ganzen Leidenschaft die du hast zu Klettern, das ist das was es braucht um ein Champion zu sein.

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