Katharina Saurwein: ein Leben als Athletin und Trainerin des Para-Climbing Nationalteams

Während Katharina in Innsbruck das Halbfinale im Bouldern erreicht hat, teilen wir einen Artikel, welchen die österreichische La Sportiva Botschafterin über ihre Karriere als Athletin und Para-Climbing-Trainerin geschrieben hat.

Katharina Saurwein: ein Leben als Athletin und Trainerin des Para-Climbing Nationalteams

Mein Leben war immer recht einfach. Ich bin mit Eltern aufgewachsen, die mich liebten, mich unterstützten und mich beschützten. Sie haben mir erlaubt, meine Träume zu verfolgen.
Mit 8 Jahren habe ich mit dem Klettern begonnen und obwohl sie nicht glücklich waren, dass ihre Töchter kletterten (meine Schwester hat so ziemlich zeitgleich mit mir begonnen) haben sie nie nein gesagt und uns immer unterstützt. Die einzige Bedingung war, dass wir unseren Schulabschluss machten und auf die Uni gingen (und das haben wir gemacht). Sehr bald kletterte ich schon an 5 Tagen der Woche, ich wurde immer stärker und dann wurde ich Teil der Wettkampfgruppe.
 

Ich bin es gewohnt eine Athletin zu sein. Ich bin, seit ich 12 Jahre alt bin, Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft. Für mich ist es selbstverständlich mit einem Trainer zu arbeiten und einem Trainingsplan zu folgen; aber selbst Trainerin sein? 

Ich dachte immer, dass ich nach meiner Karriere Trainerin werden könnte, deshalb habe ich irgendwann die Trainerausbildung in Österreich gemacht. Als sie mich fragten, ob ich Trainerin sein wollte, war ich froh, hatte aber auch meine Bedenken. 

Bis vor zwei Jahren war ich nur für mich selbst verantwortlich, meinen Körper, mein Training und meine Leistung. Als Trainerin trägt man Verantwortung über Athleten, man hat die Aufgabe die Mannschaft zu „führen“, zu entscheiden welches Training für sie am besten ist und sie zu Höchstleistungen zu bringen. Ich musste alles immer wieder überdenken und herausfinden, wie ich meiner neuen Traineraufgabe gerecht werden konnte.  

Als Trainerin kommt es mir sehr zu Gute, dass ich einmal selbst Athletin gewesen z bin. Ich kann nachvollziehen, wie sich ein Athlet fühlt, ich weiß wie ich das Training steuern muss und wie man mit Erfolg und Misserfolg umgeht. Ich versuche meinen Athleten alles beizubringen was ich weiß, gleichzeitig lerne ich viel von ihnen. Ich war immer eine Athletin, die ihre Trainer geschätzt hat und jetzt wo ich Trainerin bin hoffe ich, dass ich im Stande bin mir den Respekt meiner Athleten zu verdienen.  

Als ich als Trainerin der österreichischen Nationalmannschaft des Para-Climbing angefangen habe, musste ich die Persönlichkeit eines jeden einzelnen Athleten kennenlernen, seine Stärken aber auch seine Schwächen, ihre Geschichten und deren Beeinträchtigungen. Ich habe Geschichten über schwere Unfälle und schreckliche Diagnosen gehört und wie solche Ereignisse in wenigen Sekunden das Leben verändern. Diese Athleten haben mir erklärt wie sich ihr Körper nach dem Unfall oder der Krankheit verändert hat und welche physischen und psychischen Veränderungen darauf folgten. 

Sie haben mir verständlich gemacht wie in einem einzigen Moment das Leben anders werden kann. Als Athletin hatte ich glückliche und weniger glückliche Momente., erlitt einige kleinere Verletzungen und musste kämpfen um wieder meine Form zu erreichen, aber ich hatte immer wieder die Gelegenheit auf meinen Ausgangspunkt zurück zu kommen. Meine Wunden sind geheilt, der Schmerz war weg und der Körper hat sich erholt. Nur manchmal erinnere ich mich an meine alten Wunden. 

Die Para-Climbing Athleten haben diese Möglichkeit oft nicht, sie kämpfen jeden Tag. Wir alle können viel von ihnen lernen. Das man nie aufgeben soll ist jedoch das Beste, das ich von ihnen gelernt habe.