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Airplane Mode: die neueste Route von Roger Schaeli auf der Eiger-Nordwand


Derzeit beschäftigt Roger ein neues Projekt. Am Genferpfeiler erschliesst er eine attraktive neue Route. Sie ist kürzer als die bekannten Routen in der Eigernordwand, jedoch mit der wohl schwierigsten Schlüssellänge. Sie zu klettern, erfordert die volle Konzentration, ein Umschalten auf den «Airplane mode».

By Roger Schaeli

 

“Der etwas hervorstehende Genfer­pfeiler ist in Kletterkreisen weltweit ­bekannt. Durch das wunderschöne Lichtspiel von Sonne und Schatten rechts an der Kante ist er der Eye­catcher schlechthin und hat mich schon immer fasziniert. Der Genferpfeiler ist vermutlich der am meisten gekletterte Teil der Eigernordwand, es gibt dort bereits einige moderne Sportkletterrouten. Da die Routen zwar schwierig sind, aber nicht über neun Seillängen hinausgehen, ist der Pfeiler unter den Sportkletterern sehr beliebt. Ausserdem ist der Fels sehr gut und der Zustieg kurz. Das Klettern am Genferpfeiler lässt bereits ein gewisses Eigerfeeling aufkommen, ist aber noch nicht richtiges Eigernordwand-Klettern. Trotzdem werden die Routen zu den Eigerrouten gezählt. Die Idee einer Route ganz rechts an der schönen Kante des Genferpfeilers begleitete mich schon seit Längerem. Im Sommer 2016 hatte ich dann die Gelegenheit, gleich neben der bekannten Route «Deep Blue Sea» die neue Linie zu eröffnen. Nachdem ich mit Mayan Smith-Gobat die Route «Le Chant du Cygne» geklettert hatte, biwakierten wir am Eigergletscher. Am nächsten Morgen stiegen wir wieder zurück zur Kante des Genferpfeilers. Mayan sicherte mich geduldig und so gelang es mir bis am Abend, die erste Seillänge erstzubegehen. Das Überwinden der Schlüsselstelle verlangte mir alles ab und kostete mich einige spektakuläre Stürze. Zufrieden beendeten wir diesen ersten Tag und ich merkte, es wird schwer, es wird gut, es gefällt mir!

Die schwerste Schlüssellänge:  Trotz des guten Einstiegs wollte ich mir Zeit lassen und kehrte erst einen Sommer ­später mit Rannveig Aamodt zurück. Wir waren schon überall auf der Welt gemeinsam geklettert und die besagte Kante am Eiger wurde immer wieder zum Gesprächsthema. Rannveig war gerne bereit, mir bei dieser Erstbegehung zu helfen. Trotz Schneeflocken, Graupel und Kälte sicherte sie mich eine weitere Länge. Dort entstand dann auch der Name für die neue Route. Rannveig und ich stellen gerne mal das Telefon ganz bewusst auf «Airplane mode», um ungestörte Tage mit Klettern verbringen zu können.

Später, im selben Sommer, bot sich nochmals eine Gelegenheit, an der Route zu arbeiten. Dimitri Vogt, ein sehr starker Nachwuchskletterer aus Biel, begleitete mich zwei Tage lang und es gelang uns, die Schlüssellänge erstzubegehen. Diese ist vielseitig, sehr anspruchsvoll und kühn abgesichert, es gibt nur zwei Bohrhaken in den ganzen vierzig Metern. Man klettert über ­einen sehr steilen Bauch hinauf zu einem Querband. Die Füsse sind in der Luft, da es beinahe ein Dach ist, über das man hinwegklettert. Dort passt als Zwischensicherung der violette Camalot perfekt. Ist dieser platziert, gilt es, die Schlüsselstelle zu knacken. Nach unzähligen Stürzen ins Seil war alles, was ich an Griffen finden konnte, eine Leiste auf links, ein kleiner Riss für zwei Finger auf rechts und eine feine Struktur, auf die ich mich kurz abstützte, damit ich mich hochstrecken konnte. Endlich blieb ich am Griff hängen. Hier befindet sich nun die zweite und letzte fixe Zwischensicherung in Form eines Bohrhakens. Das Erreichen dieses Griffes kostete mich einen ganzen Tag, alle meine Kraft, meine Fingerhaut und ein Seil. Das brandneue Seil hatte während der vielen Stürze über den grauen Eigerfels so stark gelitten, dass der Mantel durchgescheuert war. Noch bevor die Schlüsselstelle überwunden war, musste ich die vorderen zehn Meter des Seiles abschneiden. Nach der Schlüsselstelle führt ein unglaublich schöner und trickreich zu kletternder Kalk-Doppelriss zum Standplatz. Diese Seillänge ist wirklich einzigartig und vermutlich die ­schwierigste Länge, die ich je am Eiger geklettert bin. Ich schätze sie als ein wenig schwerer ein als 8a+. Vielleicht 8a+/b.

Ein neues Ziel  Ich kann mir vorstellen, dass die Route einmal sehr beliebt wird. Der Zustieg ist einfach und die Route sehr schwierig, jedoch nicht so lange und aufwändig wie zum ­Beispiel «Odyssee». «Airplane Mode» wird nur über neun Seillängen verfügen. Also ein ideales Ziel für starke Kletterer, die ein knackiges Eiger-Abenteuer suchen. Die neue Route bin ich noch nicht Rotpunkt geklettert. Es ist ein Ziel, das mich motiviert und ein schöner Ausblick in die Zukunft.”

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