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Mauro
Bole erschließt „Le Nez“, am Croz Pfeiler, Nordwand
der Grandes Jorasses (4.208 m), Mont Blanc Massiv.
Nach den Wänden in Pakistan, dem Kalk der Dolomiten und dem
Granit der Cordillera Blanca, ist für Bubu Bole das Mont Blanc
Massiv an der Reihe. Unser Freund aus Triest hinterlässt seine
Spuren auch am Alpindenkmal Europas, genauer genommen an einer der
bekanntesten Wände der Welt, die mythische Nordwand der Grandes
Jorasses. Am 4. September 2005, um 23:30 Uhr erreichen Mauro Bole
und sein Partner Mario Cortese, den Gipfel des Croz Pfeilers und
vollenden so ihre Route „Le Nez“, 1300 Meter, maximale
Schwierigkeit 7c und einige Mixedabschnitte. Eine echte Alpinroute,
sehr anspruchsvoll und mit viel Anstrengung und Einsatz erschlossen.
Die Freunde Vinicio Stefanello von Planet Mountain und Mauro Bole
berichten uns, wie es gelaufen ist.
Oscar Durbiano
Neuroute an der Jorasses Nordwand.
38 Seillängen und 1300 Klettermeter. Maximale Schwierigkeit
7c (20 m), 4 Seillängen 7b, dann 7a, 6c, 6b, aber auch einige
Abschnitte im Mixedgelände. 10 Tage effektives Klettern, „verteilt“,
wegen des Schlechtwetters, zwischen Ende Juli und dem 4. September.
Die Idee: eine Neuroute auf einer großen Wand zu erschließen,
immer frei klettern und so viel wie möglich Onsight.
Protagonisten: Mauro „Bubu“ Bole und Mario Cortese,
die Selben, die schon bei “Women and Chalk“ (Shipton
Spire, Trango, Pakistan 2001) diesen Ziel verfolgten. Ergebnis:
„Le Nez“ ist geboren, eine neue Route zum Gipfel Croz,
der Grandes Jorasses, oder besser eine Route am Symbol des Bianco
Massivs und der geschichtlich reichsten Nordwand.
Die Nase auf Französisch, so wollte Bubu Bole diese Route heißen,
kreuzt (siehe Skizze) andere Linien, vor allem im oberen Wandteil,
in der 23. Seillänge, die Route Manitua von Slavko Sveticic.
„Ihm gelten all unsere Komplimente, für seine Route,die
er 1991, alleine, in drei Tagen erschlossen hat“, berichtet
Bubu auf seiner Homepage: „schwer war für uns die Entscheidung,
doch dies war die einzige Möglichkeit um unsere Linie direkt
und logisch, aber vor allem frei kletternd fortzusetzen, und dies
war von Anfang an eines der zu verfolgenden Ziele.“
Und es war für Bubu auch schwer diese News zu veröffenlichen.
Sofort hat er uns gebeichtet: „ Ich weiß, dass „sie“
Kritisieren werden.... die Fixseile und wer weiß was noch
alles“. Aber er hat auch hinzugefügt, dass er das Mögliche
gemacht hat, um seiner Idee gerecht zu werden - eine moderne Linie
zum Freiklettern. Und man muss sagen, dass das Wetter nicht besonders
hilfreich gewesen ist, ganz im Gegenteil!
Die gesamte Onsight Begehung ist ihm nicht gelungen (wie ihr weiter
unten lesen werdet), in zwei Seillängen hat er sich zum Anbringen
von Sicherungen ins Seil gehängt – noch etwas, alle Spits
und um ehrlich zu sein sind es nicht viele, wurden mit Hand gesetzt.
Aber es ist ihm „eine moderne Route gelungen, auch wenn mit
einem klassischen Namen, an der man sich unterhalten kann und nicht
allzuviel riskiert!“ Ja, denn es ist eine Route „wo
du nicht vor dem Stein-und Eisschlag, der sonst, bei der Begehung
von den großen, wunderschönen, klassischen Nordwänden
der Jorasses, zur Tagesordnung gehört, Angst haben musst“.
Es ist eine großartige Route, fügen wir hinzu. Eine Route
die jetzt natürlich auf ihre ersten Wiederholer wartet!
Vinicio Stefanello
Die Französische Nase
Es war eine schwierige und lange Entscheidung, lange haben Mario
„Torello“ Cortese und ich über diese Route diskutiert.
Sollen wir die Nachricht über die Neuroute an der Nordwand
der Grandes Jorasses veröffentlichen oder nicht? Der Grund:
ich habe es satt Diskussionen und Polemiken über Stil, Schwierigkeitsgrade,
Haken oder Spit etc. zu hören.
Mario wiederholte mir immer wieder: „ Entscheide du. Ich bin
nicht bekannt, ich habe weder zu profitieren noch zu verlieren....
Ich bin nur mit dir mitgegangen, weil ich an das Freiklettern glaube.
Und sei beruhigt: hätte ich an den Haken ziehen müssen,
hätte ich dich alleine in der Wand zurückgelassen um dich
dem „technischen“ Klettern zu überlassen!“
Nach einer Periode im Rally – schön und faszinierend...
zu teuer, aber positiv, denn jenen die immer letzte sind, geht niemand
auf die Nerven – habe ich mich entschlossen dieses Abenteuer
zu starten, um mich wieder den Gedanken aus vergangener Zeit zu
widmen, als ich vom Alpinismus der 80iger und 90iger träumte,
jenem der „Vollbluter“, die zwischen Überschreitungen
und Speedaufstiegen unglaubliche Dinge lieferten. Jahre lang habe
ich davon geträumt mich alleine in den drei großen Nordwänden
zu befinden und sie eine nach der anderen zu besteigen. Aber zum
Glück, habe ich mich 1989, nach dem Matterhorn, entschlossen
aufzuhören: ich war zu jung, hatte zu wenig Erfahrung.... ich
war einfach unverantwortlich“ Dann, mit der Zeit haben sich
die Dinge geändert....
Aber die drei Nordwände waren noch dort!
Und dann, warum nicht eine neue Routen erschließen, ausschließlich
frei kletternd, auf diesen mythischen Wänden? So kam es, dass
ich wieder mit Mario, meinem Partner von „Women and chalk“,
nach einem verfehlten Versuch des Vorjahres (aus meinem Verschulden)
Richtung Jorasses unterwegs war, um das, das wir vor vier Jahren
in Pakistan begonnen haben fortzuführen: Freiklettern in großen
Wänden!
Am 4. September, um 23:30 Uhr haben wir den Gipfel Croz erreicht,
nachdem wir in den letzten ein und einhalb Monaten immer wieder
durch Schneestürme und starken Regenfällen zum Rückzug
gezwungen wurden. Das einzige, das ich und Mario gemeinsam haben,
ist „der harte Kopf“ und dies hat die starke Motivation
aufrecht erhalten um diese Reise, die sich mit 38 Seillängen,
alle frei geklettert, auf 1100 Höhenmetern der gesamten Wandhöhe,
zu vervollständigen. Gott allein weiß – gemeinsam
vielleicht mit den Führern der Schutzhütte Leschaux, die
un kontinuierlich mit dem Fernrohr beobachteten – wie ich
Möglichkeiten des Onsightkletterns suchte. Aber in zwei Seillängen,
nach verschiedenen gescheiterten Versuchen, musste ich mich ins
Seil hängen um Haken anzubringen. Ich glaube, dass mit mehr
Motivation, wäre es vielleicht auch dort möglich gewesen
onsight zu klettern... Etwas mehr rechts vielleicht, oder ein wenig
mehr links.... Aber am Ende haben die Müdigkeit und die Angst
die Route nicht zeitig abzuschließen gewonnen!
Die Fixseile um schnell durchnässt und durchkühlt abzusteigen,
neben einigen 8 mm Spits, von Hand gesetzt an verschiedenen Standplätzen,
plus 5 weitere Spits längs der Seillängen (3 aus Angst
zu weit zu stürzen, 2 aus Angst mit einem Pfeiler in der Hand
zu stürzen), haben uns die Möglichkeit gegeben unsere
Haut nach Hause zu retten! Dies war absolut das Wichtigste! Dann,
mit dem Boden unter den Füßen fragt man sich, ob der
eine oder andere Spit notwendig war oder nicht.... Aber wenn du
dort bist und nicht weißt ob du gehen sollst oder nicht, denkst
du nur daran dich nicht zu verletzten und nicht an das, was andere
sagen oder kritisieren werden.
Und deshalb.... die Wahl die Route zu veröffentlichen kam,
weil wir überzeugt waren, dass „Le nez“ mit der
Zeit ein „Klassiker“ in der Nordwand auf 4000 m werden
wird, wo man mit Kletterschuhen und Magnesia klettert, wo man die
Stände zum Abseilen schon vorfindet, aber vor allem wo man
außerhalb des kontinuierlichen Steinschlages der Wand bleibt!
Es ist richtig, dass jetzt alle wissen, das sich in der mythischen
Nordwand der Grandes Jorasses, eine moderne Route, wenn auch mit
klassischem Namen, befindet, wo man klettern und sich unterhalten
kann, ohne dabei mehr als notwendig zu riskieren! In all der Zeit
in den Jorasses haben wir vom Fensterchen unseres Portaledge zu
viele Alpinisten gesehen, die an einem Seil unter einem Hubschrauben
hingen.... diese Bilder vergisst man nicht leicht! Dies ist alles....
Und sollten wir uns eines Tages bei jemanden entschuldigen müssen,
weil wir Fixseile und anderes mehr verwendet haben.... beh, dann
werden wir das nur bei Riccardo Cassin, nach seiner Walker machen!
Mauro 'Bubu' Bole |