Arco (TN) den 27. und 28. September
Rock
Master 2003
Wettkampf oder Ereignis? Die Grenze ob die 17. Ausgabe, dieses
weltweit anerkannten Klettertreffens Wettkampf oder Ereignis ist,
ist dünn.
Das Geschehen Arco, ist mit den Jahren, parallel zur Kletterentwicklung
gewachsen. Zum Onsight-, Rotpunkt- und Speedbewerb, hat sich seit
einigen Jahren auch das Bouldern dazugesellt. Diese letzte Disziplin
hat einige Jahre gebraucht um deren richtige Dimension anzunehmen,
welche vom transalpinen Jackie Godoffe erfunden wurde und aus einer
sehr spektakuläre Formel besteht, die für das Publikum
sehr anschaulich ist.
Aber das Rock Master ist nicht nur Wettkampf. Mit der Zeit haben
sich neben dem Wettkampfereignis, zahlreiche andere Initiativen
in Verbindung mit der vertikalen Welt durchgesetzt, welche die kleine
Stadt Arco zur europäischen Hauptstadt des Kletterns gekürt
haben. Diese neue Realität, gemeinsam mit der Aufmerksamkeit
der lokalen Politik, welche für die Klettergebiete der Zone
Geldmittel zur Verfügung stellt, zeigt wie man alternativen
Tourismus, verbunden mit der lokalen Umwelt und den zu praktizierenden
Sportarten, anbieten kann.
Einweihung Vertical La Sportiva
Samstag morgen um 11 Uhr wurde das neue Einmarkengeschäft
La Sportiva Arco eingeweiht, obwohl es schon vor einigen Monate
seine Tore geöffnet hatte. Fabio Leone, der Verwalter des
Geschäftes, bot Aperitif und Schnäppchen an um den Event
zu feiern. Eine besondere Gelegenheit für alle Begeisterten,
welche zum Rock Master gekommen waren um die gesamte Palette von
La Sportiva zu sehen und die Produkte der trientner Schuhfabrik
besser kennen zu lernen.
Der Wettkampf
Bühne frei in den ersten Nachmittagstunden am Samstag, den
27. September. Es wird mit dem Onsightklettern gestartet, während
am Sonntag, die am Tag zuvor probierte Route, Rotpunkt geklettert
wird. Zwei Linien mit zwei verschiedenen Stilen, welche die Essenz
der modernen Sportkletterei darstellen. Das Onsightklettern sieht
Leseeigenschaften, Intuition und Talent vor. Das Rotpunktklettern
hingegen, ist Schwierigkeit pur und setzt Geschwindigkeit in der
Ausführung und optimales Einsetzen und Verwalten der psycho-physischen
Eigenschaften des Athleten vor.
Dieser Wettkampfmodus ist sehr originell und hat dem Publikum
stets Showeinlagen und einige Überraschungen geboten. Unvergesslich
der Sieg des Jampaners Yuji Hirayama im Jahr 1991, nachdem er
nach dem Onsightklettern den letzten Rang belegte, konnte er dank
einiger Glücksfälle nach dem Rotpunktklettern noch gewinnen.
Nicht zu vergessen sind die Erfolge von Athleten, die bis dahin
noch unbekannt waren und dann in Zukunft von großer Bedeutung
wurden, wie François Legrand in Jahr 1990 oder wie etwa
Katie Brown im Jahr ’96 und ’97; sie erschien wie
eine Außerirdische und ebenso ist sie wieder verschwunden.
Rock Master Damen
In diesem Zusammenhang steht auch die unglaubliche Überraschung
dieser Austragung 2003. Sie heißt Angela Eiter. Die siebzehnjährige
Österreicherin hat Athletinnen wie Muriel Sarkany und Sandrine
Levet auf ihren Platz verwiesen und hat sich mit unglaublicher
Autorität und Sicherheit durchgesetzt. Als einzige Athletin
konnte sie beide Routen des Rock Master Damen (Onsight und Rotpunkt)
Top klettern und anschließend noch zweimal Top beim Duell
der Ennio Lattisi Trophäe erklimmen.
Sie versetzte ihre Rivalinnen in Unsicherheit, die ihrer neuen
Rivalin des Damenkletterns mit Besorgnis und großem Respekt
gegenüberstehen.
Wir sprachen von Muriel Sarkany, Weltmeisterin im Schwierigkeitsklettern
und heuer zum fünften mal Weltcupgewinnerin. Die belgische
Spezialtistin hat stets bis zum letzten Griff in beiden Routen
gekämpft, aber gerade die letzten Zügen machten den
Unterschied zwischen ihr und der Eiter. Klarerweise war sie nicht
in Topform, aber trotz der bis dahin bestrittenen Bewerben (Weltmeistertitel
und bestplazierte im Weltcup), war sie mit von der Partie. Sie
hielt ihrem Sport Ehre, indem sie mit Ehre kämpfte und öffentlich
die Stärken ihrer Gegnerin anerkannte. Nur wenig dahinter
Sandrine Levet, welche nur wenige Zentimeter von Sarkany und einige
Meter von Eiter entfernt, scheiterte. Aber bei der schönen
transalpinen Athletin handelt es sich um andere Umstände.
Sie setzt alles auf Polyvalenz und will als erste in der Geschichte
den Grand Slam des Kletterns gewinnen: Weltcup im Schwierigkeitsklettern
und im Bouldern. Ein hoch gestecktes Ziel, wenn man bedenkt, dass
die beiden Disziplinen zwar teilweise kompatibel sind, doch aber
verschiedenen körperliche Eigenschaften und verschiedene
Vorbereitung verlangen.
Gutes Ergebnis für die Azzurra Jenny Lavarda. Sie bestätigt
ihre kontinuierliche Steigerung, mittels welcher sie sich hartnäckig
an der Weltrangliste hochgearbeitet hat, wo sie derzeit einen
verdienten fünften Rang inne hat, denselben Platz des Rock
Masters 2003. Die junge Italienerin ist noch ausbaufähig.
Ihr außerordentlicher Wille, der sie charakterisiert wird
ihr auch Helfen mit Optimismus in die Zukunft zu sehen.
Rock Master Herren
Wenig Überraschung hab es hingegen bei den Herren. Sehr stark
war die Vorstellung von Alex Chabot, er hat sich nach seiner Enttäuschung
bei den Weltmeisterschaften wieder erholt, denn gerade dieser
Titel fehlte noch dem transalpinen Champion, der weiterhin Wettkampfgriffe
auf diesem Planeten nur so ausquetscht, auch wenn etwas weniger
überwältigend als in der Vergangenheit.
Die Gegner sind zahlreicher und auch um einiges Besser geworden.
Wenn einst nur der amtierende Weltmeister Tomàs Mràzek
die Übermacht des Franzosen anschlagen konnte, so nähern
sich heute auch die Spanier Ramon Juliàn Puigblanque und
Patxi Usobiaga dem Können Chabots. Der Generationswechsel
ist an der Spitze des Schwierigkeitsklettern bald vollzogen und
die altbekannten Namen bilden immer häufiger das Schlusslicht,
so als handle es sich dabei um eine andere Kategorie. Dies ist
zum Teil auch der Entwicklung des modernen Routenbauens zu verdanken,
sind die Routen ja immer spezifischer und dafür etwas weniger
technisch. Es ist beeindruckend zu sehen, dass Athleten wie Brenna
und Ovtchinnikov ihr Maximum geben, keine Fehler machen und sich
trotzdem mit einem siebten und achten Platz begnügen müssen.
Auf der anderen Seite, sind gerade dies die Regeln des Sports,
welcher niemanden ins Gesicht sieht. Die Zeit vergeht und nimmt
früher oder später alles mit. Wichtig ist, dass jeder
Athlet im richtigen Moment seine Grenzen erkennt und sich zurückzieht,
so vermeidet er die langsam melancholisch werdenden Ranglisten.
Traurig sind diese Ranglisten nach einer brillante Sportkarriere.
Aus diesem Grund war es nicht besonders schön dem Plurichampion
Legrand zuzusehen, wie er sich den Griffen entlang hochquälte
und auf einem schwachen letzten Platz landete, wo er noch vor
einigen Jahren bei den Siegern mit dabei war. Es war für
ihn nicht schön und auch nicht für das Publikum. Alle
erinnern sich gerne an ihn als großen Champion, welcher
uns allen Emotionen bei den Wettkämpfen in aller Welt geschenkt
hatte.
Trophäe Ennio Lattisi
Praktisch ein Wettkampf im Wettkampf. Ein paralleles Duell, bei
dessen sich zwei Athleten gleichzeitig, an zwei identischen Routen
vergleichen. Es gewinnt wer höher hinauf kommt oder wer als
erstes die Route Top klettert. Dieser Wettkampf wurde von den
Athleten nie gutgeheißen, trotzdem ist er für die vier
Erstplazierten des Rock Master verpflichtend. Vier Herren und
vier Damen für acht Duelle. In der ersten Runde trifft der
erste auf den vierten des Rock Master, während der dritte
gegen den vierten antritt. Die Sieger der beiden Bewerbe treffen
dann für den Gesamtsieg aufeinander, während die beiden
anderen um den dritten Platz kämpfen.
Bei den Herren holt sich der Tscheche Tomas Mràzek die
Revanche auf Alex Chabot, der sich mit dem vierten Platz zufrieden
geben muss. Zweiter der Spanier Usobiaga, während der andere
Spanier Puigblanque den dritten Platz erreicht.
Bei den Damen bestätigt sich Angela Eiter und siegt ein weiters
Mal über Sarkany. Dritter Platz für die Schweizerin
Alexandra Eyer vor der müden Sandrine Levet.
Sint Roc boulder contest
Dies waren eben die Schwierigkeitsbewerbe, aber es gab beim Rock
Master 2003 noch mehr. Ein mitreißender Bouldercontest,
bei welchem sich die besten Spezialisten der Welt herausforderten
und in einer Serie von Rotpunktpassagen mit KO System kletterten.
Dabei handelt es sich um ein neues Reglement um die Leerzeiten
zu beseitigen, dem Geschehen mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen
und zudem ist der Wettkampf vom Publikum viel anschaulicher.
Die Teilnehmer messen sich an vier Blöcken. Man beginnt mit
dem ersten Block: meistert man ihn im ersten Versuch, so hat man
sich für den nächsten Block qualifiziert, andernfalls
hat man weitere zwei Versuche. Der Athlet mit dem schlechtesten
Ergebnis scheidet aus, während die anderen sich dem nächsten
Block widmen, bis die letzten drei Teilnehmer am Finalblock um
den Sieg kämpfen.
Damenkampf am Samstag Abend nach dem Speedklettern. Schöner
und knapper Sieg der Russin Olga Bibik, vor der sehr jungen Franzosin
Alizée Dufraisse. Guter dritter Platz für die Italienerin
Giulia Giammarco, welche nach einer Fußverletzung nicht
in Topform war. Gleich nach dem Schwierigkeitsbewerb der Herren
am Sonntag fand dann das Bouldern der Herren statt. Triumph für
den Azzurro Mauro Calibani, auch er war verletzt, aber am Knie.
Trotz seines körperlichen Problems konnte der starker climber
seine Energien optimal einsetzen, siegte hervorragend und bestätigte
seine Leistung des Vorjahres. Ohne Zweifel eine hervorragende
Leistung, welche er mit den neuen Venom von La Sportiva erzielte.
Dieses neue Modell wurde von La Sportiva entwickelt um den Anforderungen
des modernen Boulderns gerecht zu werden. Zweiter Platz für
den bestimmten Serik Kazbekov, während sich der Franzose
Daniel Dulac mit dem dritten Platz zufrieden geben musste.
Speedklettern
Was soll darüber gesagt werden? Technisch gesehen ist es
ein Gegensatz zum traditionellen Klettern, auch wenn die motorische
Geste ein und dieselbe ist. So scheint es, dass das Publikum den
Vertikalläufern gerne bei deren Zeitläufen zusieht.
Der Sport Klettern ist natürlich etwas anderes und es man
wir nur schwer im Klettergarten jemanden finden, der trainiert
um eine fünfzehn Meter lange 6a so schnell wie möglich
zu klettern. Für die Chronik will gesagt sein, dass der Russe
Alexei Gadeev, vor seinem Landsmann Alexandre Chaoulsky und dem
Polen Tomasz Olesky siegte. Letzter konnte auch einen neuen Rock
Master Streckenrekord mit 10“ und 58 Hundertstel aufstellen.
Rock Master Party
Nach den Kletterbewerben wurde mit Tanz und Unterhaltung fortgefahren.
Ab 18 Uhr erfolgte die Rock Master Party in den Straßen
des Zentrums. Erstes Treffen im Caffè Trentino, wo die
Sieger mit Musik, Kuchen und Sekt für alle, gefeiert wurden.
Dann siedelte alle in die angrenzende Bar Conti um, wo Mythus
Pio, der unermüdliche Animator der lokalen Szene, ein reichhaltiges
Buffet und Livemusik mit einer lokalen Funkyband anbot. Zudem
stellten die technischen Sponsoren (La Sportiva, The North Face
und Cassin) zahlreiche Preise zur Verlosung für alle Beteiligten
zur Verfügung.
Vortreffliches Klima und Atmosphäre für das Nachwort
dieser Veranstaltung, welche nächstes Jahr volljährig
wird.
Achtzehn Jahre sind sicher eine wichtige Etappe und werden viel
bedeuten. Man geht neuen Fasen des Lebens und mehr Reife entgegen.
Gerade dieser Termin könnte auch einen Wandel des Rock Master
für die Zukunft bedeuten. Ein Event, welcher ständig
wachsen muss, damit er mit der Zeit Schritt halten kann und gleichzeitig
neue Ideen erprobt um mit Zukunftstendenzen voran zugehen. Einige
Ideen? Viele schätzen das entspannende Klima im Schatten
des Colodri, die coole Umgebung und die „dolce vita“
machen den Rest.
Vielleicht ist gerade das der neue Schlüssel des Rock Master
der Zukunft: ein offizieller Wettkampf verbunden mit einer Serie
von parallelen Events, welche die Anwesenden aufnehmen und sie
für eine Woche in dieser bunten Welt des Kletterns in der
Stadt Arco wiegen.
Ein Rock Master, wo die Bewerbe zeitlich nicht so konzentriert
sind, also mit etwas mehr Ruhe, auf eine Woche aufgeteilt sind
und somit könnte es „die Kletterwoche Rock Master“
werden.
Oscar Durbiano
Tropfäe Rock Master Herren
1° Alexandre Chabot (Fra)
2° Tomàs Mràzek (Cze)
3° Ramon Juliàn Puigblanque (Esp)
4° Patxi Usobiaga (Esp)
5° Cédric Lachat (Sui)
6° Christain Bindhammer (Ger)
7° Evguenj Ovtchinnikov (Rus)
8° Cristian Brenna (Ita)
9° Flavio Crespi (Ita)
10° Alberto Gnerro (Ita)
11° Evgueni Krivocheicev (Ukr)
12° François Legrand (Fra)
Trophäe Rock Master Damen
1° Angela Eiter (Aut)
2° Muriel Sarkany (Bel)
3° Sandrine Levet (Fra)
4° Alexandra Eyer (Sui)
5° Jenny Lavarda (Ita)
6° Maja Vidmar (Slo)
7° Martina Cufar (Slo)
8° Bettina Schöpf (Aut)
9° Damaris Knorr (Ger)
Sint Rock boulder contest Damen
1° Olga Bibik (Rus)
2° Alisée Dufraisse (Fra)
3° Giulia Giammarco (Ita)
4° Natalia Perlova (Ukr)
5° Iulia Abramtchouk (Rus)
6° Vera Kotasova (Cze)
Sint Rock boulder contest Herren
1° Mauro Calibani (Ita)
2° Serik Kazbekov (Ukr)
3° Daniel Dulac (Fra)
4° Salavat Rakhmetov (Rus)
5° Kilian Fishhuber (Ger)
6° Tomasz Oleksy (Pol)
7° Wouter Jongeneelen (Ned)
8° Stefano Ghidini (Ita)
Duell Ennio Lattisi Damen
1° Angela Eiter (Aut)
2° Muriel Sarkany (Bel)
3° Alexandra Eyer (Sui)
4° Sandrine Levet (Fra)
Duell Ennio Lattisi Herren
1° Tomàs Mràzek (Cze)
2° Patxi Usobiaga (Esp)
3° Ramon Juliàn Puigblanque (Esp)
4° Alexandre Chabot (Fra)