Melloblocco, dritte Auflage

Am 6. und 7. Mai fand in Val di Mello (SO) die dritte Auflage des Melloblocco, dem internationalen Bouldermeeting, das inzwischen schon international als bedeutendes Klettermeeting gilt, statt. Vinicio Stefanello von Planetmountain berichtet wie es gelaufen ist.
Oscar Durbiano

Melloblocco 2006, alle Stories des Val di Mello Tales
Es ist, als würde man einem Schmetterling folgen. Ich suche die Erinnerungen dieses Melloblocco, der so eben zu Ende gegangen ist und schon mischen sich die Emotionen mit jenen des letzten Jahres. Es ist wie ein deja vu, etwas schon Erlebtes, das noch nicht erlebt ist, etwas entgeht mir im Melloblocco. Als wäre es ein schöner Schmetterling, langsam und unerreichbar, der sich hier und dort hinsetzt, während er wegfliegt. Mit dem Blick folgst du diesem Schmetterling. Du hältst bei den Farben inne. Du folgst seiner Entwicklung. Dann, so wie er aufgetaucht ist, verschwindet er auch wieder, er ist weggeflogen. Du kannst ihn nicht vergessen. Vielleicht weil du ihn weiterverfolgst und von ihm träumst. Vielleicht weil du weißt, dass du ihn noch einmal treffen wirst. So wie die vielen - sehr vielen, mehr als Tausend - die das Val di Mello Tal wieder aufgenommen hat. So wie die unendlichen Granitblöcke, die Tausende von Fingern aufgerieben haben und die du mit dem Blick gestreichelt hast.
Diese kleineren Kinder der hohen und glänzenden Wände des Tales, die zwei Tage von Energie gelebt und Energie den Zahlreichen beim Melloblocco geschenkt haben.
Man kann diese Vielzahl nicht vergessen. Sie war da, aber man sah sie fast nicht. So dass kein Foto sie je alle einfangen können. Man müsste von jedem Einzelnen berichten, von diesen Boulderern, diesen „melloblocchisti“. Jene von Samstag, mit den Wolken, die jedoch kein Lachen verdrängt haben. Und jene (die selben und andere mehr), die Sonntag in der Sonne gebraten haben. Von Zeit zu Zeit haben sie sich aufgeteilt, in kleinen Gruppen, alleine oder sich von der Menge und dem Musikfluss mitreißen lassen. Sie gingen auf die Suchen des eigenen „Steinproblems“. Wie in einer freien Entdeckung. Eine Reise in der Reise, zwischen alten und neuen Boulderproblemen. Denn bei jedem Treffen schenkt das Tal ein wenig von sich an den Melloblocco. Ein wenig von seinen Wiesen, seinen Gewässern und seinen Emotionen. Aber auch viele Treffen und neue Sensationen. Unmöglich sie alle einzufangen, unmöglich sie zu vergessen.
„Giulio, welch großes Ziel du hast!“ ruft ein Kind zwischen dem eben erkletterten Stein, den neuen Schuhen die zu sehr schmerzen und der Anfrage an den Vater nach einer Jause. „um dich besser zu fotografieren“, antwortete Giulio, fast gedankenlos. Sie lächelt. Sie hat verstanden: es ist wie in der Fabel. Hier gibt es keinen Fuchs und auch kein Rotkäppchen, aber es ist wie in den Fabeln, am Ende sind alle glücklich. Aber wie beschreibt man die Glücklichkeit? Wie kann man scharf stellen zwischen den ganzen bekannten, sehr bekannten Gesichtern oder den vollkommen Anonymen? Sicher kann mein ein Lächeln, ein Treffen, einen abgeschlossenen Boulder oder einen den man knapp nicht geschafft hat, nicht beschreiben. Man kann die Farben des Wassers und der Wiesen oder wie dich der Granit des Val di Mello Tales aufreibt, oder von wie vielen verschieden Orten und Leben die Leute kommen, die hier mit dir im Tal sind, nicht beschreiben. Man kann nicht sagen was der Melloblocco ist. Höchstwahrscheinlich stellt er für jeden von uns etwas anderes dar. Melloblocco ist Jacopo, angeregt wie eh und je, der mit leuchtenden Augen die Wiese beobachtet die mit Steinen und Kletterern jedes Alters geschmückt ist, beobachtet. Der gleiche Jacopo der in diesen Wänden ein Leben verbracht hat um seinen Träumen zu folgen und sie zu realisieren. Und Melloblocco ist auch Cristian der im Tal gesehen wurde, verliebt und strahlend wie nie zuvor. Und der unfehlende Alberto, der wie immer die Rolle des „milord“ übernimmt um sich beim Klettern einzusetzen. Und Nocolino, der dir während er klettert, während er mit dir spricht die Freude überträgt, die er fühlt dort zu sein, in dem Moment das zu tun, was alle anderen auch tun. Und der entspannte Mauro, der dir mit den Augen zulächelt, während er einen Boulder nach dem anderen klettert.
Melloblocco, das ist der Junge, der von Block zu Block geht, mit einem Holzrohr und wenn du ihn etwas fragst, dann bläst er hinein und es entsteht ein Laut, der dir bis in den Bauch reicht. Es scheint dir komisch, doch das ist die perfekte Melodie für den „Mello“ und erst recht, nachdem er dir erklärt hat, dass das ein Instrument der australischen Aborigines ist. Ja, der „Mello“ ist wirklich komisch, einzigartig. So wie auch Raffaella „komisch“ und „einzigartig“ ist, denn wenn du sie fragst wie es ihr geht, antwortet sie gut und dass sie heuer Lust zum Klettern hätte. Sie hat eben einen Boulder abgeschlossen, den nur eine unbändige Barbara lösen konnte, aber für sie war er einfach: es war genau ihr Problem. Und Geschichten wie diese, gibt es viele, vielleicht mehr als Tausend. Weil Melloblocco ist auch der Boulder der dir einfach nicht gelingen will und ein anderer, denn du nicht kennst, einer der nicht wie ein big aussieht (aber einer ist!), den du einfach löst, ohne größere Anstrengung. Melloblocco ist Luca, der keinen Augenblick Pause macht. Melloblocco bedeutet auch auf der Wiese zu liegen und die anderen beim Klettern zu beobachten. Melloblocco ist ein Meer von crash pad und dann, hintereinander gereiht verwandeln sie sich in kleine Diwane im 70iger Stil, Sessel erster Reihe um tausend Boulder zu bewundern und mit tausend Gesprächen zu beginnen, im Wohnzimmer des Val di Mello Tales.
Man hat das und vieles mehr während des Melloblocco gesehen. Wie Antoine, der Boulderer mit dem Schirm, der an keinem Boulder gescheitert ist und sogar den Boulder nochmals geklettert hat, bei dem eine Leiste gebrochen ist.
Oder Daniel der am Ende doch noch den Boulder geschafft hat, den er erst fast auf Anhieb klettern konnte und den er dann nicht mehr lieben konnte. Die Bande der ungehaltenen Jungs mit Gabriele, Michele, Lucas, Alessandro... die sich immer unterhalten und andere unterhalten. Und dann die der Engländer, Garry, Andrew, Marc.... die unerschöpflich scheinen. Und dann noch alle Boulderer die bis zum letzten Dynamo gekommen sind, Tausende und mehr, und dann nicht den letzten Griff halten konnten. Anita die sich (mit weiteren Tausend) den Finger durchbohrt hat und doch weiter geklettert hat . Giò der vom Tal abgehauen ist (nur widerwillig) um zu einer Taufe zu gehen. Und wir könnten noch viele aufzählen. Einbegriffene jene, die am Sonntag gegangen sind um die schwindelerregenden Platten des „Kundalini“ und des „Giardino“ aufzusuchen. Einbegriffen Iris, die Weise, trade d’union, zwischen dem Tal und dem Rest der Welt. Wir könnten noch fortfahren. Es wäre eine unendliche Geschichte die wir erzählen müssten. Einbegriffen der polnische Junge, der per Anhalter von den Calanque hierher getrampt ist und nach der Etappe mit seinem 55 Kilo Rucksack nach Hause aufgebrochen ist. Unendliche Geschichten, wie die Griffe, unendlich viele wie die Kristalle des Granits.
Geschichten wie die des schwersten Problems der Veranstaltung das von zwei Engländerinnen angegangen und gelöst wurde (in einem schönen Stil), die am Abend zuvor so wahnsinnig waren im Bach zu baden. Wie immer war der Samstag Abend nicht zu verpassen, mit den Bouldersektionen die mit den Stirnlampen, von einer Gruppe von unermüdlichen angegangen wurde. Geschichten ohne Ende. Wie (so hoffen wir) der Melloblocco.
Vinicio Stefanello