Melloblocco
2005, eine epochaler Event Val di Mello, 7. und 8. Mai 2005
Wenn Hunderte Beteiligte des Jahres 2004 den Melloblocco in Erinnerung
behalten werden, dann wird die Ausgabe 2005 sicher als das größte
Klettertreffen und als das größte Kletterfest in die
Geschichte eingehen. Ursprünglich haben sich 820 Teilnhmer
angemeldet. Dann wurde nicht mehr weitergezählt. Schlussendlich
waren es ca. 1300 Boulderer, die sich an den Steinen im Val di Mello
tummelten. Dreitausend Anwesende (Athleten und Publikum). Ein unglaublicher
Erfolg, der nicht einmal von den größten Optimisten der
Organisation erwartet wurde.
Zahlreich auch die ausländischen Beteiligten. Über 10
Staaten der ganzen Welt waren vertreten: Frankreich, Schweiz, Deutschland,
Slowenien, Schweden, Holland, Venezuela, und noch andere. Es war
wunderbar diese Leute, mit ein und der selben Sportpassion, zu sehen,
wie sie für zwei Tage die Wiesen des Tales belebten und die
Freude des Zusammenseins zeigten. Es war schön die große
Vielseitigkeit des Boulderns zu sehen, die es auch Familien erlaubt
ihre Aktivität auszuführen, Mütter, Kinder und Boulderer.
Eine vor allem sozialisierende Aktivität, weil sie weniger
binden ist als andere.
Es war fantastisch die drei Weltmeister (Dulac, Calibani und Sandrine
Levet) zu bewundert, wie sich mit anderen Spitzenathleten maßen.
Das Spektakel war grandios. Auch die Organisation war lobenswert,
beispielhaft geführt von den Bergführern der Lombardei.
Ein besonderes Dankeschön von Seiten aller Beteiligten geht
gerade an sie, für dieses großen Geschenk, welches sie
allen Boulderbegeisterten, in Zusammenarbeit mit ihren Sponsoren
La Sportiva, Petzl und Eider gemacht haben.
Eine schöne Geschichte, die auch Überlegungen für
die Zukunft reifen lässt. Vielleicht benötigt das Kletterambiente
neue Impulse, weg von den üblichen Kletterwettkämpfen,
um weiterhin zu wachsen und sich zu entwickeln? Unser Freund Vinicio
Stefanello, Träger der Internetseite Planet Mountain, erzählt
uns von seinen Erfahrungen.
Oscar Durbiano
Eindrücke vom Melloblocco
Fragen (tausende und noch mehr Fragen), gleich viele wie die Boulder,
die du nie lösen wirst. Rhythmen, die sich langsam folgen,
wie die Gedanken in den Wolken. Viele Farben, so viele, dass sich
die Augen füllen um sie alle aufzufangen. Das Tal hat sich
mit ruhigen und entspannten Tönen gefärbt. Das irreelle
Grün der Wiesen, getupft von Steinen. Gelb, viel gelb und
nochmals gelb. Gleich und doch verschiedenen, wie die Tausenden
die es trugen. Und dann hoch oben das unbewegte Weiß, das
fällt, sich krümmt und wieder fällt. Habt ihr je
einen Wasserfall in der Luft gesehen, der erst eine Kurve beschreibt,
bevor er kerzengerade zu Tal rauscht? Habt ihr je das Wasser gehört,
das für euch singt? Für Tausende und mehr, die sich
um euch befinden?
Es gibt etwas in diesem Tal, das du nicht
mit den Augen halten kannst
Es gibt etwas, das du spürst, wenn du in die Augen siehst,
die sich mit deinen Augen kreuzen, in den Augen derer die eine
Kletterpassage abwägen oder jener, welche die Griffe zärtlich
berühren. Du versuchst zu verstehen. Aber du kannst nichts
greifen. Man kann nur schauen. Die richtige Sequenz zu finden,
die dich an den Gipfel des Steinblockes bringt, vielleicht auch
nur in deiner Phantasie. Tausende und mehr Blicke die sich kreuzen.
Viele Gedanken. Viele Worte. Tausende und mehr “ciao-come-stai“
(„Tschau-wie geht es dir“, Anmerk. d. Redaktion) werden
ausgetauscht, man umarmt sich und lasst sich wieder los und man
trifft sich wieder und wieder. Und du entdeckst, dass du noch
lächelst, und dass auch andere lächeln. Und dann, wie
viel Stille! Beruhigende, leise Stille, gefüllt von nur angedeuteten
Diskussionen, aber (nur dieses Mal) dieses Mal, scheint mir zu
verstehen, zu akzeptieren. Langsamer Rhythmus. Mellow. Melloslow.
Melloblocco für alle. Auch von jenen, die nur die Sonne genießen
und jene die langsam den wunderschönen Steig nach oben gehen,
der zum Eden von Wiese und Fels führt.
Heute machen die Boulderer oh....
Es gab Tausende und mehr Crash Pads, alle bereit um weich die
nicht kalkulierbaren Stürze abzufangen. Es gab Tausende und
mehr Crash Pads ohne Namen, die allen zur Verfügung standen.
Es gab viele Hände, die sich ohne jeglichen Kommando nach
oben streckten. Alle um jene zu schützen, welche ihre Passage
nach oben im Fels suchten. Gleich wer es war, ob das Problem leicht
war, ob es ein Freund oder einer der Tausende war. Am Melloblocco
stellt man nicht viel Fragen. Und Tausende und mehr scheinen keine
Eile zu haben. Sie haben keine Zeitlimits, nur ihre Lust gewiegt
von der Musik des Tales.
Sie haben kein Alter
Die Boulderer am Melloblocco sind zwischen zwei und sechzig Jahre
alt. Sie haben Tausende und mehr Alter. Sie kommen von verschiedenen
Nationen. Einige haben das Tal zu ihrer Heimat gemacht, andere
sehen das Tal zum ersten Mal. Es gibt alle möglichen Größen
(der Lange, der Kurze, der mit dem Bauch...), alle möglichen
Grade (der ultraleichte, der mittlere, der schwere und der unmögliche),
denn hier sind wir alle gut, denn alles ist hier am Melloblocco
relativ. Und es gibt solche, die ein Mythos sind, denn du verstehst
nicht, wie sie das lösen können, was das du nicht einmal
verstehen kannst.
Wir sind viele und es scheint nicht, dass
wir so viele sind
Jede Granitskulptur, jeder Fels stellt seine eigene Geschichte
dar, ein Winkel für kleine-große Gemeinschaften, die
sich bilden, die sich auflösen und sich wieder bilden. Ohne
Eile besucht man alle Ecken des Paradieses. Man schlürft
durch die Gegend und lässt den Gedanken freien Lauf. Eine
wunderschöne Karte, unverständlich, wie die Kletterpassage
die dich immer wieder abweist und klar wie der Boulder, den du
soeben gelöst hast. Dauernd zieht man durch die Gegend. Ein
Zusammentreffen folgt dem anderen. Sie wiederholen sich und jedes
Mal ist es, als träfe man sich zum ersten Mal.
Die Luft des Melloblocco bringt nicht greifbares
Zuflüstern, wie den Regenbogen
Melloblocco Flash. Wie die freundliche Seele von Simone, die du
kurz triffst, die umherzieht um die Blöcke zu begutachten,
die er erfunden hat. Von so vielen möchtest du erzählen,
sagen. Wie die vier Jugendliche, die sich eng um ihren Fels halten.
Als erstes startet die größte. Griff, Triff, sie steigt
höher…. Während die kleinste der Bande ihr zuflüstert:
„los, vielleicht wirst du Weltmeisterin…“.
Der Zufall will, dass gerade im Hintergrund die Weltmeisterin
die Sonne des Tales genießt.
Die Boulder zu lösen scheint hier das
Unwichtigste zu sein.
Aber ich glaube, dass niemand weiß, was eigentlich das Wichtigste
ist, was er heute am liebsten hätte. Vielleicht sind es die
Züge, die gerade alle schaffen und die du am Ende auch versuchst,
aber nicht kletterst. Vielleicht sind es all die Leute. Vielleicht
ist es die Ruhe, die du nicht erklären kannst. So wie du
dir nicht erklären kannst, wie es möglich ist, dass
alle so freundlich sind, alle so hilfsbereit. Es gibt keine Antwort
oder vielleicht (wer weiß?) ist sie noch in einer Griffsequenz
versteckt, die noch niemand gesehen, probiert hat, von der noch
niemand geträumt hat.
Eines ist sicher, nach meinem ersten Mal im Val di Mello Tal,
das Val di Mello kann man nicht vergessen, deshalb sind wir zu
Tausenden gekommen.
Vinicio Stefanello