WOCHE DES BERGES IN LECCO

Vom 21. bis zum 29. Juni wurde in Lecco eine Reihe von Veranstaltungen, in Verbindung mit der Bergwelt abgehalten. Ziel des Projektes war es die verschiedenen Aspekte der Bergwelt (Alpinismus, Klettern, Abenteuer, Perönlichkeiten, Fotografie, Gedrucktes), in einer einzigen Veranstaltung zu verbinden. Die Veranstaltung sollte idealistisch die Zelebrierung dieser sportlichen Passion sein, welche mit dem Namen Lecco in Verbindung steht.
Es wurde am Samstag 21. Juni begonnen, mit dem Event, Meeting della Montagna – Premio Grignetta d’Oro, ein Zusammentreffen der Bergbegeisterten um den aktuellen Stand der Dinge und die neuen Tendenzen festzustellen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch der Preis “Grignetta d’Oro” für folgende Kategorien verliehen: Alpinismus, Kommunikation und Arbeit Berg.
Am Montag 23. Juni startet der Weltcupwettkampf 2003, welcher die drei offiziellen Wettbewerbe beinhaltet: Bouldern, Speedklettern, Schwierigkeitsklettern.
Viele Männer und Mittel wurden eingesetzt, um dieses ehrgeizige Projekt zu realisieren, welches im Laufe der letzten Jahre großen Erfolg verzeichnen konnte. Dieses Ergebnis konnte Dank der Hilfe von hunderten von Freiwillen erzielt werden; jeder hat beigetragen um den Event zu realisieren.
Der Kletterbewerb, wie auch der Alpinismuspreis wurden zum Treffpunkt und stellen den Gipfel eines Icebergs mit enormer Grundbasis dar, welche aus Begeisterten besteht, die den Berg in jeder Variation erleben und leben und im DNA verankert haben.
Die Bergwoche wird zum Symbol dieses Enthusiasmus. Es handelt sich um ein wichtiges Kommunikationsbeispiel und stellt neue Schlüssel zur Lektüre einer Aktivität vor, die immer interessanter wird, sofern unter neuen Prospektiven vorgestellt.
Ein besonderes Lob geht an die Gruppe Ragni di Lecco (Spinnen von Lecco); diese hervorragende lombardische Alpinistengruppe hat derzeit schon eine Geschichte mit mehr als fünfzig Jahren hinter sich und war für die Verwirklichung des Events verantwortlich. Komplimente, denn ihnen ist es gelungen das Ambiente mit dieser Veranstaltung, welche auch in Zukunft ein wichtiger Anhaltspunkt sein wird, in Bewegung zu bringen.
Cristian Brenna, lombardischer Kletterer und aufmerksamer Beobachter, erzählt uns “seine” Leccowoche aus der Sicht des Zuschauers und Protagonisten.
Oscar Durbiano

LECCO 2003
Lecco, Hauptstadt des Kletterns. So können wir diese Woche von Veranstaltungen und Wettkämpfe, welche das Leben in der lombardischen Stadt vom 21. bis 28. Juni charakterisiert haben, definieren. Alles hat am Samstag, den 21. Juni begonnen, als die vierte Auflage der Grignetta d’Oro Trofeo ausgetragen wurde und siebenundzwanzig von den besten Alpinisten der Halbinsel ihr Curriculum, der letzten zwei Jahre, vorgestellt haben. Der Preis der Kategorie Alpinismus wurde dem “ragno” (der Spinne) Simone Pedeferri ausgehändigt. Andrea Gallo, die Auszeichnung der Kategorie Kommunikation, während Giampietro Verza den Preis für Arbeit und Berg erhielt. Dies die Gewinner der Grignetta d’Oro 2003. An Silvio Mondinelli hingegen, ging der Spezialpreis Ragni della Grignetta.
Sehr interessant und hohes Niveau hatten deren Beiträge, die von wunderschönen Bildern und einigen Videos bestückt waren, Zeichen der Zeit und der Lust zur Kommunikation dieser Generation von Alpinisten.
Das Treffen wurde am Sonntag, den 22. Juni in der Villa Guzzi mit einem Abendessen für alle Teilnehmer abgeschlossen.

Die Wettkämpfe.
Musik und Umfeld waren andere, denn am Montag. Wir befinden uns am Cermenatiplatz, der für die Spezialisten des Speedklettern ausgestattet wurde. Bei den Herren siegte der Pole Tomaz Olesky, während bei den Damen die Russin Anna Saoulevitch das Sagen hatte und die höchste Treppe des Podiums erreichte.
Am Mittwoch, den 23. war dann das Bouldern an der Reihe. Bei niederschmetternder Hitze waren als erstes die Mädchen dran. Mit Ausnahme von Natalie Perlova, Weltcupsiegerin im Vorjahr und der Italienerin Stella Marchisio, Siegerin vor zwei Wochen in Fiera di Primero konnten alle Spezialistinnen das Finale erreichen. Die andere Italienerin aus Turin, Giulia Gianmarco, konnte hingegen das Finale mit einem ausgezeichneten provisorischen dritten Platz erreichen. Nach einigen wenigen Stunden Pause siegt die Russin Olga Bibik, indem sie vier der sechs schwierigen Boulder von Marzio Nardi und Laurent Laporte Top klettert.
Zweite, die ebenfalls aus Russland stammende Ioulia Abramtchouk, mit zwei Tops. Die Französin Myriam Motteau vervollständigt das Podium. Giulia Gianmarco konnte ihre hervorragende Leistung des Morgens nicht bestätigen und erzielte den siebten Platz in der Gesamtwertung. Ähnliches Ende auch für die Französin Sandrine Levet; nachdem sie die ersten beiden Wettkämpfe der Saison dominiert hatte und auch hier bei der Quali hervorragende Leistungen geboten hatte, musste sie sich am Ende mit dem neunten Platz abfinden.
Am darauf folgenden Tag stehen die Männer am Start und auch hier gibt es jede Menge Überraschungen. Das Halbfinale dominiert der Amerikaner Chris Sharma und klettert dabei fünf von sechs Bouldern Top. Mauro Calibani und Christian Core können sich nur knapp für das Finale qualifizieren. Beiden scheinen, im Vergleich zu den letzten Wettkämpfen, nicht gerade in Form zu sein.
Das Finale findet um 21 Uhr statt und sofort spielt eine andere Musik. Zahlreiches Publikum, große Show und selektive Passagen, mit konstante Schwierigkeiten um 7c im Bouldergrad. Am Ende werden Finger und guter Wille der Jungs hart auf die Probe gestellt.
Große Performance des transalpinen Jerome Meyer. Mit viel taktischer Intelligenz, Dank derer er seine kostbaren Energien ökonomisch einsetzen konnte, meisterte er mit ultimativer Kraft die letzte Passage und leistete ausgezeichnet. Zweiter wurde Chris Sharma, welcher den unglaublichen Fehler beging, den Zonengriff der letzten Passage nicht zu berühren. Dritter, mit drei erreichten Top, wurde Serik Kazbekov.
Mauro Calibani schließt am fünften Platz, mit zwei Tops ab. Mageres Ergebnis für den amtierenden Weltmeister, obwohl er als einziger den zweiter Boulder Top klettern konnte, noch dazu im ersten Versuch. Beweis, dass es sich bei ihm um ein großes Talent handelt, auch wenn noch einiges in Bereich schnelle Routenlesung und psycho-physische Ausdauer bei starkem Druck zu lernen ist.
Freitag wurde ein genereller Ruhetag für Athleten und Organisation eingeschoben.
Samstag Morgen ging es dann mit dem Schwierigkeitsklettern weiter. Fast alle Italiener konnten das Viertelfinale überwinden und sich für die nächste Runde qualifizieren. Samstag Abend meldet sich dann ein unvorhergesehenes Gewitter an und verhindert ein reguläres Fortfahren des Programms. Das Semifinale der Damen wird auf Sonntag Vormittag verschoben. Die Routenbauer (Leonardo Di Marino, Donato Lella und Stefano Alippi) müssen sich über Nacht eine neue Semifinalroute einfallen lassen. Am Sonntag Morgen spielt sich dann ein völlig atypisches Halbfinale ab, bei welchem drei hochqualifizierte transalpine Athletinnen (Levet, Minoret und Pouget) den Einzug ins Finale verpassen. Jenny Lavarda hingegen beweist immer mehr technische Sicherheit und zeigt Vertrauen in ihren Mitteln und konnte das Finale erreichen.
Liv Sansoz scheidet als erstes im Finale aus, nachdem sie nach zwei Jahren Pause, wegen physischen Problemen, zurückgekehrt ist. Die transalpine Athletin zeigte eine eindeutige Verspätung in ihrer Vorbereitung, aber auch guten Willen, welcher sicher nützlich sein wird um wieder auf dem Niveau zurückzufinden welches ihr zusteht. War es nur ein kurzes Auftauchen oder wird sie wieder effektiv weiterhin bei Wettkämpfen teilnehmen?
Reich an Überraschungen war auch das Semifinale der Herren. Die erste Überraschung steht Alberto Gnerro zu, er belegt nach der Qualifikation Platz eins, gemeinsam mit Majestät Chabot. Alberto klettert diesmal ohne üblichen psychologischen Druck, durch welchen er normalerweise mit zuviel Kraft an den Griffen zerrt und beweist damit, dass wenn er mit Kopf klettert für jeden eine harte Nuss ist. Die zweite Überraschung betrifft den amtierenden Weltmeister Jerome Pouvereau; er kann sich nicht für das Finale qualifizieren. Aber die größte Überraschung war das Fehlen einer Schlinge beim Klettern von Falvio Crespi, die höchstwahrscheinlich nach dem Ausziehen des Seils verschwunden war. Die Wettkampfjury stoppt den Wettkampf trotz einiger Zweifel nicht und der Athlet der Fiamme Gialle fahrt mit dem Wettkampf (etwas verunsichert) fort und belegt Platz neun. Gleiche Platzierung auch für Cristian Brenna. Sehr gut hingegen Dino Lagni, der sich an dritter provisorischer Stelle, ex-aequo mit weiteren sechs Athleten, platziert.
Am späten Nachmittag findet das Finale der Damen statt. Bei den Damen siegt die Belgin Muriel Sarkany, vor Martina Cufar und Bettina Schopf. Jenny Lavarda belegt Platz sechs, nach einem Wettkampf, der besser sein hätte können.
Bei den Herren siegt Chabot durch seine bessere Leistung im Halbfinale. Gleicher Griff auch für den Spanier Puigblanque, der sich in den Überhängen eindeutig wohl fühlt. Drittes Treppchen für Dino Lagni, gemeinsam mit Euvgeny Ovtchinikov, beide nur von einem Griff von den beiden Ersten getrennt. Bei Alberto Gnerro kehrt seine übliche Nervosität ein, so endet er an achter Stelle, letzter der Finalrunde.

Überlegungen
Bei den Schwierigkeitsbewerben der Herren können wir ein Leistungsplateau beobachten. Zeichen, dass zahlreiche Athleten über ähnliche athletische Eigenschaften verfügen. Auch in Lecco haben 15 Athleten im Bereich von drei Griffen abgeschlossen und letzthin war dies öfter der Fall. Der Grund dieses Plateaus ist der übertriebene Drang von Überhangs bei den Routen und die verminderte technische Qualität derselben.
Vielleicht ist der Moment gekommen um über die Spielregeln zu diskutieren und das Routenbauen zur Debatte zu setzen. Vielleicht müsste man versuchen einige Aspekte zu ändern um diesen Sport wieder ein bisschen der ursprünglichen Technik näher zu bringen und Routen zu bauen, in denen es nicht nur ausschlaggebend ist immer kleinere und weiter entferntere Griffe zu halten, sondern auch die Möglichkeit geboten wird, wirklich zu klettern, indem man sein technisches Können nutzen kann. In den letzten Jahren wurde zu Gunsten der körperlichen Eigenschaften die technischen Gesten angeschliffen. Vielleicht ist der Moment gekommen über die Zukunft nachzudenken. Vielleicht müssen wir einen Schritt zurückgehen und das Klettern wieder seinem Ursprung näher bringen. Dies heißt nicht unbedingt dass man zurückgeht, aber nur eine Kursänderung anschlägt um den Event zu schützen und interessanter zu gestalten, grundlegend um das Interesse der Media an diesen Sports zu garantieren.

Nachwort.
Ausgezeichnete Bilanz dieser Wettbewerbswoche: sehr präsentes und begeistertes Publikum, perfekte Organisationsmaschine der “Ragni”. Nach vier Jahren ist diese Etappe sicher die beliebteste der internationalen Runde geworden.
Cristian Brenna