Trip One Karakorum 2005
Fotos Giovanni Pagnoncelli ©

Am 5. Juni 2005 startet die Expedition Trip One Karakorum 2005, eine Gruppe von Freunden, Alpinisten und Kletterern. Dabei geht es um ein Projekt, das von Luca „Rampikino“ Maspes besonders gefördert wurde, da es sich um jungen Alpinismus handelt und dabei alles einschließt, was den Berg betrifft: Fels, Klettergarten, die große Felswand, Wasserfall, gemischtes Terrain und Höhe.
In diesem Bereich hat unser Freund Cristian Brenna neue Erfahrungen gesammelt: durch alpinistische Routen, die von unten erschlossen wurden, konnte er neue und faszinierende Dimensionen des Kletterns erleben. Die Erzählung mittels der Worte des Protagonisten.
Oscar Durbiano

Up Project, Trip1
Zwei Monate sind seit der Rückkehr von Pakistan verstrichen, zwei Monate dauerte die Expedition in das Chogolisa Valley. Ziel war es neue Täler zu erkundschaften und all das Erstzubegehen, das uns durch den Kopf lief, ohne ein wirkliches, vorangekündigtes Ziel, nur unsere Lust am Klettern und das Erleben neuer vertikaler Erfahrungen war wichtig. So wechselten wir von Mixed, auf technisches Klettern, vom Freiklettern auf den unbestiegenen Gipfel mit Skiabfahrt und am endeten beim Bouldern. In diesem ersten Trip 1 waren wir zu neunt. Ich beginne bei der Vorstellung der Expeditionsmitglieder mit dem Kopf der Expedition, dank dessen die Realisierung dieses Projektes möglich war, Luca Maspes, dem ich besonders für die eingesetzte Energie bei der Organisation danke. Dann Hervè Barmasse, seine rechte Hand beim Organisieren dieses „Urlaubs“, Gianluca Bellin, dem „Globetrotter“ und Schlechtwetterbringer, Giovanni Ongaro, dem „Minimator“ und Gutwetterbringer, auch wenn sich am Ende vielleicht die Rollen vertauscht haben. Giovanni Pagnoncelli erhielt die Aufgabe unsere Aufstiege zu verewigen. Fabio Salini brachte jedem mit seinen Scherzen zum Lachen, auch in den schwierigsten Lagen. Ich schließe mit Ezio Marlier, dem „Polemiker“, immer konstruktiv und Francesca „Checca“ Chenal, die ein wenig Süße in diese Welt der Harten brachte. Zudem natürlich der Unterfertigte.
Dabei ging es um ein sehr weitläufiges Projekt, reich an Inhalten und dem Abenteuer Alpinismus gewidmet.
In diesen Seiten aber, will ich euch über meine Erfahrung berichten. Wollt ihr mehr Details zur Expedition und den Aufstiege erhalten, so rate ich euch die Homepage www.montagna.org, wo Tagesberichte im Detail aufzeigen, was in den zwei Monaten Abenteuer gelaufen ist.

Up & Down
Für mich war all das neu, sehr neu, denn zum ersten Mal beteiligte ich mich an einer Expedition. Schon beim Auswählen der Materialen hatte ich Probleme. Letztendlich fehlten einige Dinge, während andere, die ich mitnahm komplett umsonst waren.
Die Reise war extrem faszinierend, von Anfang an. Islamabad, der Karakorum Highway, die erste für die Farben und Gerüche, der zweite schien mir eher ein Videospiel denn irgend etwas anderes, so surreal (für uns) waren die Situationen, die sich tagtäglich ergaben. Von Skardu, erstes Ziel nach der ermüdenden Karakorum Highway, bringt dich eine Tagesreise mit dem Jeep nach Hushe. Von dort startete das Trekking und nach weiteren drei Tagen erreichten wir das Basislager. Hier hatte ich das erste Problem der Expedition. Während wir mit dem Auto nach Hushe fuhren, war mir, wegen des starken Dieselgestankes, der in den Jeep kam, übel geworden. Ich wurde fast ohnmächtig. Glücklicherweise war mir nur kurzfristig schlecht und nach einer kurzen Pause, war ich wieder einsatzfähig.
Die ersten Tage organisieren wir unser Basislager, dann starten wir endlich unser Projekt. Luca, Checca und ich gehen das Schild des Chogolisa an. Den ersten Tag fühle ich mich vor dieser riesigen Wand verloren. Nachdem Luca die erste Seillänge erschlossen hatt, fragt er mich ob ich die zweite übernehmen will, ich fühle mich noch nicht wohl, daher lehne ich dankend ab und bitte ihn fortzufahren. Am zweiten Tag trifft es wieder Luca den Tanz zu beginnen, indem er eine lange Seillänge in Angriff nimmt. Kurze Zeit später will er wieder an mich abgeben, diesmal nehme ich an und mache mir selbst Mut. Zum ersten Mal in meinem Leben beginne ich mit dem Erschließen von Unten.
Der Beginn der Seillänge ist ziemlich einfach. Ich setzte einen Spit, steige höher und bewege mich dann technisch fort, indem ich einige Nägel setze. Ich klettere noch ein wenig, bis zu einem blinden Riss, wo ich einen Haken setze, der mich aber wenig überzeugt, daher entscheide ich noch ein paar Spit zu bohren.
Es folgt ein guten Riss, aber ich habe nicht die notwendige Größe an Friend bei mir. Ich seile ab und entscheide die Seillänge auf den nächsten Tag zu lassen. Am nächsten Morgen arbeite ich mich wieder mit dem Riss ab. Nach einer ziemlich gefährlichen Passage, der Fels war nicht besonders gut und zudem sandig, gelange ich unter ein kleines Dach. Ich sichere mich ab, lasse es hinter mir und setze noch einen Spit, vor den letzten schwierigen Metern. Endlich platziere ich den Stand. Soeben habe ich die erste, von untern erschlossene Seillänge realisiert. Sechzig Meter, wirklich schön und vielseitig und vor allem nicht banal: eine große Genugtuung.
Später dann, verbrachte ich einige Tage an den Statikseilen, mit einer Bürste putzte ich, vor allem bürstete ich Erde aus den Rissen und entfernte unstabile Steinchen, um die Route für eine freie Begehung bereitzustellen. Währenddessen bereicherte sich die Seilschaft mit Hervè. Während ich alleine die Route säuberte, erreichten die anderen das Ende des ersten Pfeilers und bereiteten die nächsten 200 m vor. Nach ein paar Rasttagen, starten wir zum letzten Angriff.
Am Morgen sind wir im Kanal aufgestiegen, der zum Gipfel des Pfeilers brachte und nachdem ich schnell die ersten zweihundert Meter aufgestiegen bin, übernehme ich die Führung und erschließe die nächsten beiden Seillängen, die über eine Serie von Verschneidungen und Rissen auf ein Band bringen. Hier übergebe ich Hervè, der nach zwei weiteren Seillängen den Gipfel des Pfeilers erreicht: Up & Down ist geboren.
Mein Ziel war es jetzt die gesamte Route frei zu klettern. Nach ein paar Erholungstagen fühle ich mich bereit für den ersten Versuch. Leider geht es mir in der Nacht nicht gut, höchstwahrscheinlich wegen eines Kältestoßes, so drehe ich mich am nächsten Morgen im Bett um und schlafe weiter, statt aufzustehen. Ich verschiebe den Versuch auf bessere Zeiten. Inzwischen scheint es, als hätte uns das Glück die kalte Schulter zugewandt. Das Wetter, das bis zu diesem Moment ziemlich passabel war, verschlechtert sich plötzlich und es scheint nicht, als wolle es sich in nächster Zeit wieder legen. Nach zehn Tagen Wasser, schaut es so aus als würde es sich bessern, ein Schönwetterfenster mit zwei Sonnentagen. Am nächsten Morgen stehen wir voller Tatendrang auf. Schnell werden wir vom schlechten Wetter wieder zurechtgewiesen. Um acht, während wir beim Frühstück sitzen, steigen die Wolken endlich auf. Auch wenn es schon spät ist, packen wir unsere Rucksäcke und starten. Leider ist die Route noch teilweise nass. Nachdem mir ein Griff bricht und ich stürze ist mein Versuch gescheitert. Ich entschiede den ersten schwierigen Teil genauer zu studieren, damit das Fortkommen am nächsten Tag besser geht, denn für einen Versuch nach bestimmten Kriterien hätte die Zeit nicht mehr gereicht. So versuche ich die ersten sechs Seillängen, vor allem die sechste, die schwierigste, die einen ziemlich schweren Boulderzug beinhaltet.
Am elften Juli steht endlich der entscheidende Tag vor der Tür, die Wettervorhersagen sind gut, bevor es wieder gewittern soll. Um 6:30 Uhr beginnen wir in der ersten Seillänge. Giovanni Ongari begleitet mich während des Versuches. Seine große Erfahrung würde mir hilfreich sein, sollte es Schwierigkeiten geben. Luca hingegen wird die Fixseile hochsteigen um den gesamten Versuch zu filmen. Schon die zweite Seillänge verlangt mir so einiges ab, ich klettere über die Stelle, wo ich am Vortag gestürzt bin und beginne mit der langen Verschneidung, dessen eine Seite leicht anliegend ist, während die andere leicht überhängt. Auf dieser Höhe Seillängen zu klettern, die ziemlich konstant sind, verlangt mir so einiges ab und ich erreiche den Stand ziemlich fertig, nachdem ich wie ein Löwe gekämpft hatte.
Die dritte Seillänge ist nicht besonders schwierig, aber einige unsichere Passagen zwingen mich, stets konzentriert zu bleiben. In der vierten Seillänge ist der Schlüsseltritt des ersten Boulders nass. Ich versuche ihn mit etwas Magnesia zu trocknen, ich starte und klettere gut, bis ich fast den Stand erreiche, dann rutscht mir eine Hand aus dem Riss und ich riskiere einen Sturz. Am Stand angekommen lachen ich und Rampik über die vermiedene Gefahr.
Der Start der fünften Seillänge ist etwas vom Schwersten. Man muss in einem blinden Riss etwa fünfzehn Meter nach oben klettern, dabei sind die Füße im Riss eingeklemmt und die Hände arbeiten im Gegendruck im gleichen Riss. Bei jedem Zug riskiere ich einen Sturz. Glücklicherweise halte ich durch und komme weiter, bis ich die Verschneidung und somit auch das Ende der Schwierigkeiten, erreiche. Die nächste Seillänge ist die Schwerste. Dank der Arbeit des Vortags kann ich sie problemlos meistern. Doch dann habe ich Probleme in der siebten Seillänge, denn diese Seillänge hatte ich mich vorher hochgejumart, während ich sie reinigte, vielleicht hatte ich sie unterschätzt. Der abschüssige Riss versucht mich bei jedem Zug „auszuspucken“. Der Riss hält mich für über eine Stunde matt, doch mit Glück erreiche ich das Ende des ersten Pfeilers ohne Sturz.
Giò und ich entscheiden eine Pause einzulegen, wir Essen und Trinken, auch wenn uns nicht mehr viel bleibt. Luca, Hervè und Giovanni haben uns von der anderes Seite erreicht um Fotos und Videos zu machen, dann steigen sie ab und holen die Fixseile ein.
Jetzt fühle ich mich sehr müde, die ersten Krämpfe kommen auf. Glücklicherweise sind die nächsten zweihundert Meter einfach und erlauben mir mich etwas zu erholen. Die dreizehnte Seillänge ist die schwierigste des zweiten Teiles. Nach einer Boulderpassage, erreiche ich eine Verschneidung bis fast zum Stand, zehn Meter zuvor jedoch klettert man leicht nach links und erreicht einen wunderschönen Riss, der bis zum Stand führt. In dieser Seillänge gab es das einzige Problem der Route. Wir hatten während der Erschließung zwei Nägel entfernt, die wir für die nächste Seillänge brauchten. Während meiner Rotpunktbegehung hatte ich zwar ein paar Friends mit, doch keiner hatte die richtige Größe. Direkte Folge, ein sehr langer Runout, ein Dutzend Meter, ohne jegliche Absicherung, die letzte weitentfernte Absicherung, ein Friend.
Glücklicherweise ging in den letzten drei Seillängen alles glatt. Um 17 Uhr, nach sechzehn Stunden Klettern, waren wir am Gipfel des Schilds, müde aber glücklich. Ein Glücksschrei Richtung Basislager und dann schnell zum Abseilen, wo wir nach zwei Stunden ohne Zwischenfälle das Basislager erreichen. Einer der schönsten Klettertage in meinem Leben.
Der Rest der Expedition war etwas entspannender. Bouldern und eine Woche im Charakusa Valley, wo wir eine Neuroute am Iqbal’s Wall versuchten und den Naysar Brakk bestiegen.
Eine schöne und intensive Erfahrung. Und während der Rückreise schwirrte schon das nächste Abenteuer in meinem Kopf.  
Cristian Brenna/UP Project

Die Route
Chogolisa Schild (5.300 m), Route Up & Down
S-SO Wand, Mittlerer Pfeiler
800 Klettermeter (16 Seillängen)
Maximale Schwierigkeit bei der Erschließung: 6c/7a und A1
Hervè Barmasse - Cristian Brenna - Luca Maspes - Francesca Chenal
In insgesamt 6 Tagen
Fixseile verwendet im ersten Teil
Erste freie Begehung in einem Tag:
Cristian Brenna, Seilerster, begleitet von Giovanni Ongaro
10 Kletterstunden, maximale Schwierigkeit 7c