On the Road
Bericht der Barracuda autumn 2004 test tour

Einen Monat haben wir uns gewidmet, sechstausend Kilometer mit dem Transporter La Sportiva abgespult, denn wie Kerouac sagte „die Straße ist Leben“ (Jack Kerouac, 1922-1969, einer der beat generation Väter, Autor von On The Road im Jahr e1957, Anmerk. d. Redaktion). Viele, viele Kalkmeter wurden gemeinsam mit alten und neuen Freunden geklettert, einige sind mit mir gestartet, andere habe ich längs der Reise „Barracuda autumn 2004 test tour“ getroffen, bzw. wiedergetroffen. Wir haben die Schuhe allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Es war eine tolle Story zwischen Italien, Frankreich und Spanien, vom 13. November bis zum 5. Dezember 2004. Hier eine kurze Zusammenfassung unserer Erfahrung.
Fabio Albertoni

13.-14. November 2004
Start. Tausenddreihundert Kilometer haben wir (ich, Barbara und Leila) bis Cornudella De Montsant zurückzulegen. Dies ist ein Kletterpol und gehört zu den zwei bekanntesten spanischen Klettergebiete, Montsant und Siurana.

15.-16. November 2004
Die „Barracuda test tour 2004“ beginnt.
Wir haben uns unter dem bekanntem Kletterfelsen Raco De Misa niedergelassen. Die warme Sonne verleitet uns zum Klettern, zudem sind wir die einzigen Climber des Sektors, ausgenommen ein Paar Kletterfreunde, die sich schon seit einigen Tagen hier befinden. So sind wir es, die als erstes den neuen, von La Sportiva zur Verfügung gestellten Kletterschuh, Barracuda testen.
Hier in Montsant ist das Sportklettern daheim und der Fels ist komplett verschieden von jenem in Siurana. Es handelt sich um soliden Konglomerat, sehr lange Touren, wobei vor allem Ausdauer im Überhang auf schneidigen Löchern gefragt ist.

17. November 2004
Weitere neunhundert Kilometer. Ziel El Chorro in Andalusien, nördlich von Malaga.
Der Ort ist wie verzaubert und ist das Nervenzentrum einer Serie an Klettergärten, welche in einer vertikalen Schlucht verteilt sind, in welcher der Zug durchdüst. Hier muss jeder vorbei (Tunnel und Brücke inklusive!), um die verschiedenen Sektoren zu erreichen, von denen viele der warmen spanischen Sonne ausgesetzt sind. Wir haben zwanzig bis fünfundzwanzig Grad während des Tages!

18.-19.-20. November 2004
Basislager im gemütlichem Klettergarten des Dorfes! Von hier startet man zu Fuß und kann fast jeden Sektor erreichen. Es erscheinen die ersten Kletterer, die durch den La Sportiva Transporter neugierig geworden sind. Sie erwarten sich Spitzenkletterer von La Sportiva, aber das ist sicher nicht mein Fall, trotzdem sind sie sehr erfreut, die Schuhe gratis probieren zu dürfen.
Ich organisiere mich einfach. Wer die Schuhe ausprobieren will, holt sie am Morgen ab und bringt sie am Abend wieder zurück. Schnell verbreitet sich die Nachricht und zehn Tage lang geht es bei unserem Campingstellplatz richtig rege zu, jede Menge Barracuda official testers!
Am ersten Tag klettern wir in einem kleinen Sektor neben der Eisenbahn, Albercones. Wir sind noch von der Reise müde, deshalb wollen wir einen längeren Zustieg meiden. Die Seillängen gehen von leicht, bis mittelschwer, der Fels ist gut strukturiert und befindet sich genau über dem Camping.
Am zweiten und dritten Tag wechseln wir zur bekannten Poema De Roca.
Die Schwierigkeit steigt. Hier klettert man in einer großen überhängenden Grotte, welche sehr windgeschützt ist. Dies ist der wärmste Sektor im gesamten El Chorro. In kurzen Hosen und mit freiem Oberkörper warten die Besten auf den Schatten, um sich an den schwersten Routen zu versuchen! Unglaublich… Und es ist bereits Dezember! Unbedingt anzuraten die bekannteste 7a, welche dem gesamten Sektor den Namen gibt: Poema De Roca.

21. November 2004
Erster, wirklicher Rasttag. Aber nicht zum Testen der Schuhe. Wir treffen an unserem Transporter eine Gruppe slowenische Jungs, welche ich schon in Arco gesehen hatte. Einer von ihnen erzählt mir am Abend, dass er seine erste 7c onsight, mit dem Testschuh Barracuda geklettert hat.
Wir entscheiden uns Antequera zu besuchen, eine nette Kleinstadt, welche sich dreißig Kilometer von El Chorro entfernt befindet. Wir haben schlecht kalkuliert, denn es ist Sonntag. Alles geschlossen. Macht nichts.

22. November 2004
Makinodromo, der schönste und bekannteste Sektor der gesamten Schlucht ist an der Reihe. Eine Route ist besonders bekannt, Lourdes, 8a, sie wird von vielen wegen ihrer Eigenschaften auf onsight versucht.
Fünfundvierzig Grad Überhang, verteilt auf dreißig Meter, längs riesiger Sintersäulen, welche zwei „no hands“ zulassen: einfach fantastisch!
Die Wand teilt sich in zwei Abschnitte: im linken Teil dominieren die oberen Schwierigkeitsgrade, hier sind Routen zwischen 7c und 8c anzufinden, im rechten Teil, findet man Routen für jedermann. Hier kann man sich auf sensationelle Reisen begeben, bis zu dreißig Metern und mehr sind die Routen lang und verlangen vor allem Ausdauer auf Sintersäulen, Löchern und Dächern!
Ich schaffe meine erste 7b onsight! Zwar ist das für eine Zeitschrift keine besondere Verwirklichung, aber für mich ist es trotzdem wichtig.

23. November
Escalera Arabe. Diesen Morgen starten wir mit einer Engländergruppe die uns diesen Sektor anraten. Er befindet sich in der Zone Frontales Atlas, in der gleichen wie Poema de Roca. Der Zugang ist sehr kurz, man erreicht den Klettergarten mit dem Auto über eine nicht asphaltierte Straße.
Schöne super technische Plattenrouten im Verdonstil, zusätzlich einige kurze, überhängende sehr boulderhafte Routen.

24.-25. November
Rasttag. Wir fahren nach Malaga. Wir entscheiden uns für den bekannten Zug, welcher die El Chorro Schlucht passiert und lassen unseren Transporter im Dorf. Shopping, Chaos, Verkehr, Sirenen, Clacson. An all das bin ich nicht mehr gewöhnt und am Abend bin ich müder als nach einem Klettertag! Am nächsten Morgen bleiben wir im Camping um die verlorenen Kräfte unseres „Rasttages“ wiederzugewinnen.

26.-27. November
Die zwei letzten Tage in El Chorro verbringen wir klarerweise in den besten Sektoren, daher gehen wir nach Makinodromo und am letzten Tag nach Poema De Roca um noch einige „Projekte“ anzugehen, die leider solche bleiben!
Am Abend treffen wir uns bei unserem Transporter. Alle Kletterer kommen um sich bei uns zu verabschieden und uns die verwendeten Barracuda zurückzugeben.

28. November 2004
Weitere neunhundert Kilometer. Ein weiterer Reisetag. Diesmal bleibe ich alleine. Die Mädchen, die mich begleitet haben entscheiden noch einige Tage Urlaub zu machen und nicht mehr zu klettern. Wir werden uns in Arco wieder treffen.

29.-30. November 2004
Siurana. Tempel der Leisten. Ein kleines mittelalterliches Dörfchen, das über dem Tal liegt, eingebettet in wilder Natur und Kletterfelsen, wo auch immer man hinsieht. Ein Schutzhaus (rifugio) und ein Camping, welche ganzjährig geöffnet sind und von Kletterern verwaltet werden, welche ein kleines Paradies für sie geschafft haben. Vor allem Engländer und Amerikaner treffen hier jedes Jahr pünktlich ein.
Der La Sportiva Transporter wird mit der üblichen Neugierde empfangen und so fiel es mir nicht schwer einen Kletterpartner zu finden. Eine Gruppe von Franzosen hält mir in diesen beiden Tagen Gesellschaft, während dessen ich die Barracuda testen lasse. Auch zwei Bergführer sind unter ihnen, die vom Schuh gleich überzeugt sind und mich fragen, ob ich ihnen die Schuhe verkaufen kann, auch wenn sie bereits gebraucht sind!
Am Abend finden wir alle in der Campingbar ein, wo ich Toni Arbonés, den starken Lokalmatador kennen lerne. Er leitet auch den rifugio, hat auch zahlreiche Routen in Siurana eingebohrt und ist der Redakteur des neuen Kletterführers. Sofort lädt er mich zu einem Klettermeeting im nächsten Frühjahr ein. Ich werde versuchen nicht zu fehlen. Zwei Tage sind effektiv wenig für dieses Gebiet, doch die test tour geht weiter und ich muss wieder aufbrechen. Ziel Buoux.

1. Dezember 2004
Schlechtes Wetter. Besser, so fällt es leichter aufzubrechen.
Am Abend erreiche ich, gemeinsam mit den Wolken, welche mir von Spanien gefolgt sind, Apt. Ich gehe auf Campingsuche. Alle sind geschlossen, deshalb entscheide ich mich für die angenehme gites d’etape (kleine lokale Schutzhütte, Anmerk. d. Redaktion), welche ich im Dorf Buoux finde. In der Nacht zieht ein Gewitter auf, das nichts gutes verspricht.

2. Dezember 2004
Ich stehe am Morgen auf und bin der Überzeugung, sicher nicht zu klettern, denn es hat in der Nacht unglaublich viel geregnet, aber mit großer Überraschung stelle ich fest, dass alles trocken ist! Kleines Problem, keine Menschenseele findet sich im Klettergarten. Ich erkundschafte den gesamten Klettergarten in allen Richtungen, aber heute muss ich mich mit einem Lokalaugenschein von unter zufrieden geben. Ich glaube, der Grund liegt im unbeständigem Wetter, vielleicht ist es Morgen besser.

3. Dezember 2004
Und genau so ist es auch. Die Sonne scheint. Ein ausgiebiges Frühstück, dann packe ich den Rucksack und dann geht’s Richtung Kletterfels, wo ich endlich meine Barracuda auf Buouxfels setzen will. Aber ich habe umsonst gehofft, denn trotz der frühlingshaften Temperaturen und diesem fantastischem Klettergarten mit über fünfhundert Seillängen ist keine Menschenseele zu finden. Demodé? Vielleicht. Ich muss mich organisieren. Ich will keine Zeit mehr verlieren, meine Fingerspitzen wollen Fels und mein Urlaub geht dem Ende zu. Morgen treffen ich meine Freunde in Finale Ligure. Ich fahre wieder nach Italien....

04.-05. Dezember 2004
Nur drei Tage habe ich nicht geklettert und trotzdem scheint es mir eine Ewigkeit zu sein. Als mir am Morgen Luca und Peppe mitteilen wo wir hingegen, kann ich es kaum noch erwarten. Heute bringen sie mich zum Terminal, ein bekanntes Gebiet in der Umgebung von Albenga. Leisten, Sinter und Überhänge, werden mir bei meinen letzten beiden Tagen Gesellschaft leisten. Letzte Momente um die Barracuda auszuprobieren..... Also, auf geht’s, jeder mit ein Paar Barracuda an den Füßen! Einige Jungs, die uns sehen, fragen uns ob es irgendwo einen Sonderrabatt von La Sportiva gab!
Die zwei Tage verfliegen. So auch die gesamte Reise. Ich kehre nach Hause, nach Arco.
Fabio Albertoni