The Climbing Challenge, Bardonecchia 2006


Marco Scolaris, Präsident des UIAA Climbing (International Council for Competition Climbing), berichtet uns über das Climbing Challenge Bardonecchia 2006, Vorführungsevent während der Olympiaden von Turin 2006.
Oscar Durbiano

Vorweggenommen
Im Jahr 2005 waren zwanzig Jahre seit Sportroccia, jenes ersten, geschichtlich wichtigen Kletterwettkampfes, vergangen.
Im September hat Bardonecchia einen Kongress organisiert um das Zwanzigjährige zu feiern und um die derzeitige Situation des Sportkletterns festzuhalten. Einige Vortragende fragen den Bürgermeister Francesco Avato, ob während der imminenten Winterolympiaden in Turin 2006 auch Sportkletterinitiativen auf dem Programm vorgesehen sind. Als Antwort bietet er die Verfügbarkeit der Gemeinde an, einen Event (side event), während der Wettkämpfe in Bardonecchia zu organisieren.
Nach ersten Studien, wird das Projekt definiert und gemeinsam mit dem Sportbüro in Bardonecchia, der UIAA Climbing und der FASI (italienischer Kletterverband) weitergeführt.
Zirka dreißig Athleten, unter den Besten auf internationaler Ebene, und zehn Funktionäre werden aus der ganzen Welt eingeladen. Eingeteilt in drei Gruppen, werden sie in Rotation von der Gemeinde beherbergt und können beim olympischen Snowboardevent assistieren (in Bardonecchia findet Half Pipe, der Snowboard-Cross und der Paralell-Riesentorlauf statt).
Zum ersten Mal in der Geschichte findet Sportklettern im Austragungsort der Olympiaden, während deren Austragung statt. Das Ziel ist sich etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen, ein Startpunkt auf der Jagd Richtung Olympia.

Torino Climbing Challenge
Die Vorbereitungen beginnen zwei Wochen vor den Olympiaden. Im Inneren des Sporthauses wird von Sintroc eine wundervolle Anlage montiert, die aus vier Boulderblöcken (Rockmasterstil) und aus einer 10 Meter hohen Wand, die für den Speedbewerb kollaudiert ist, besteht. Die Eröffnung findet am 5. Februar, mit der ersten Etappe der Provinzialmeisterschaft von Turin „Torino Climbing Challenge“, die fünf Vereine, Fasi Bside, Sasp, Tao, Sportica, Cus Torino und Bardonecchia mit einbezieht, statt. Die Beteiligung geht zur Genugtuung des lokalen Verbandes Tao, weit über die Erwartungen: fast hundert Athleten und ebenso viele Freunde und Zuschauer, präsentieren sich zum Wettkampf.

Climbing Rings
Eine Woche und die Olympiaden beginnen nach der Eröffnungsfeier, gerade der Tag, an dem die ersten internationalen Bigs anreisen.
Die erste Gruppe mit Mike Doyle (Kanada), Alan Pryce (Australien), Emily Harrington e Vadim Vinokur (USA), Magnus Midtboe (Norwegen), Angela Eiter e Killian Fishhuber (Österreich), Joerg Verhoeven (Holland), Lei Zhao (China) e Lisa Lai Sho Cheng (Hong Kong).
Zeit sich die Hände an den Griffen zu erwärmen und dann noch ein fantastischer Sonntag mit dem unvergessliches Erlebnis an der Olympia Half-Pipe. Die wachsamen Augen der Kletterer folgen mit Enthusiasmus ihren Kollegen auf den Brettern, zwischen Tausenden Zuschauern. Anschließend geht es an den Klettergriffen weiter, drei Tage fordern sich die Athleten gegenseitig heraus. Die Hartnäckigste von allen war ohne Zweifel Angela Eiter, die den Evolutionen der Freunde folgt und keinen Griff der Herrenboulder auslasst. Es kommen die kleinen Geschichten der Athleten zum Vorschein, die nur bei solchen Ereignissen entdeckt werden können. Zhao ist chinesischer Tischtennismeister und entscheidet sich als Handicap nur mit der linken Hand zu spielen, trotzdem haben die Gegner keine Chance... Killian motiviert die Gruppe.... die Ordnungskräfte, die Polizisten von Moena, die Finanzwache und die jungen Freiwilligen der Work Force und die Jungs der Tao kommen zum Klettern: es ist unwahrscheinlich eine solche Struktur zur Verfügung zu haben, und Seite an Seite der ganz Großen klettern zu können. Es fehlt ein bisschen die Allgemeinheit: in dieser ersten Phase ist es schwer die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, alles ist auf die Maschinerie Olympia gelenkt.
Es fehlen hingegen nicht die Kinder.
Sie dürfen an den Speedparcours klettern, die zwei Kursleiter der Sasp Turin, Andrea Bronsino und Lorenzo Mucci liefern die notwendige Unterstützung während der gesamten Laufzeit.

Speed sprintet
Die zweite Gruppe besteht aus Francis Rodriguez e Manuel Escobar (Venezuela), Leire Aiguirre (Spanien), auch die unseren sind mit dabei: Jenny Lavarda, Stefania De Grandi, Giovanna Pozzoli, Stella Marchisio, Lucas Preti e Christian Core (Italien). Die dichte Gruppe der Azzurri hat, nachdem sie der Show des olympischen Snowboards Cross beigewohnt hatten, auch die Möglichkeit sich vor einem guten Publikum vorzuführen.
Auch einige Speedspezialisten sind anwesend. Die neue Route, gebaut von Donato Lella, wird von Lucas Preti und Manuel Escobar etwas ausgebessert und sofort sind hervorragende Zeiten ersichtlich. Auf 10 Metern Wandhöhe und zirka 13 Klettermetern, werden die ersten Versuche mit 8 Sekunden gemessen, aber später folgen 7 Sekundenergebnisse und sogar 6 Sekunden bis hin zum den unglaublichen 5.79 des Venezuelaners (Lukas erreicht 6.14).
Unter anderem schauen auch die Trainer der amerikanischen Snowboardmannschaft vorbei. Es war komisch zu erfahren, dass es sich dabei um Leute handelt, die alle selbst klettern. Aber wie viele sind wir denn eigentlich?! Desto mehr du mit den Leuten sprichst, desto mehr erfährst du wie verbreitet unser Sport eigentlich ist, absolut mehr, wie wir uns vorstellen. Und die, die nicht klettern und das erste Mal zusehen, wollen auch probieren. Viele kommen wieder und der Sport verbreitet sich weiter. Vor allem wissen scheinbar alle was Sportklettern ist und wie unterschiedlich Sportklettern zum Alpinismus ist. Der Stereotyp Gefährlichkeit, wobei es sich um geschichtlichen Blödsinn handelt, verlangsamt immer noch die Anerkennung unserer Sportart.
Die vier Techniker machen noch andere interessante Bemerkungen.
Auch sie geben zu, dass gerade das Speedklettern, auch wenn in den vereinigten Staaten (und im Grossteil der Westwelt) niemand diese Disziplin praktiziert, von olympischen Interesse sein könnte. Die Show ist garantiert, das Ergebnis sofort eindeutig. Man muss daher den Rest verbessern....

Der Schnee kommt
Die dritte Gruppe bestehend aus Cedric Lachat (Schweiz), Tomasz Oleksy, Anna Saulevich, Sergey Sinitsyn e Salavat Rakhmetov (Russland), Maja Vidmar (Slowenien), Olena Ryepko e Olga Shalagina (Ukraine), erreicht Bardonecchia bei dichtem Schneefall. Trotz der Wetterbedingungen können sie den schönen olympischen Parallelriesentorlauf folgen. Die Kletterer sind von der organisatorischen Maschine, deren Komplexität und zugleich deren Genauigkeit beeindruckt. Alles perfekt, alles getimt.
Einige fragen sich, ob unsere Fähigkeiten auf der Höhe wären.... Es folgen einige Boulder und Speed Tage. Garantierte Unterhaltung: es werden eigens Probleme mit beeindruckenden Dynamos vorbereitet, unter Tomasz Olesky, der von unmöglichen Flügen auf Videoaufnahmen und Fotos übergeht. Auch die nicht aus der Ruhe zu bringenden Salavat lächelt und die Stunden vergehen schnell. Tomasz und Sergey Sinitsyn sind zwei Raketen auf den Speedrouten und die neuen Rekorde belaufen sich auf 5.69, ja sogar 5.51 (ihr könnt selbst den Schnitt der Vertikalen berechnen...), während Olga Ryepko (9.99) und Anna Saulevich (9.54), die 10 Sekundenmarke knacken. Beim Abendessen kommen Erinnerungen der Vergangenheit auf.... Salavat, heute Weltmeister, gewann seinen ersten Weltcup (Schwierigkeitsklettern), in Innsbruck im Jahr 1991... einige, die am Tisch sitzen, gingen dazumal noch in die Grundschule....

Abschließend
Es war nicht leicht einen Platz während eines so großen Events, wie die Olympiaden, in Bardonecchia zu finden. Unter den hervorragenden Wettkämpfen, zählen auch die weißen Nächte im olympischen Dorf. Der Bürgermeister Avato und die Stadt können daher froh über das übermittelte Bild sein.
Bardonecchia hat die Marke einer jungen Stadt, die nach vorne schauen kann. Für den Verband und die UIAAClimbing wurde viel getan, um politisch-sportliche Verbindungen zu schaffen und zu perfektionieren und um Zukunftspläne zu entwickeln. Die Früchte werden die nächsten Jahre bringen, aber man wird aufmerksam pflegen müssen, was man gesät hat.
Wie schon zu beginn erwähnt, befand sich das Klettern zum ersten Mal so nahe der olympischen Spiele. Man muss weitergehen. Vor Ort spricht man schon über ein neues permanentes Kletterzentrum in Melezet, neben der Halfpipe, wo man auch internationale Wettkämpfe und die zahlreichen Begeisterten beherbergen kann. Effektiv saßen einige von uns in den Tribünen und versuchten sich vorzustellen, wie unsere Vertikalen und unsere Boulder auf einer so einzigartigen Bühne sein würden..... die Athleten, auch wenn mit einigen Befürchtungen, befanden sich schon dort, bereit das Beste von sich zu geben.

Marco Scolaris